Sepp Maier: „Ich hätte den Trainer abgemurkst“

Sepp Maier: „Ich hätte den Trainer abgemurkst“

Am Samstag wird er 65, aber kein bisschen leise. Sepp Maier über Weißbier vor dem Spiel und die Leiden des Oliver Kahn.

WZ: Am Samstag feiern Sie Ihren 65. Geburtstag...

Sepp Maier: Ach, hören’s auf!

Maier: Ruhestand, das ist so eine Sache. Ich will gar keinen Ruhestand haben. Denn dann wird man alt, noch älter vom Geist her, meine ich. Wenn man nix mehr plant, kann man sich gleich eingraben lassen. Man hat Ziele, ob mit 20 oder 65 Jahren.

Maier: Das weniger. Ich muss aber zugeben, dass es ein Einschnitt war, als ich bei Bayern aufgehört habe. Ich war seit meinem 15. Lebensjahr beim FC Bayern - aber es musste mal sein. Ich kann ja nicht bis ich Hundert bin dort sein. Aber Wehmut war dabei.

Maier: Ich finde es gut, dass die Spieler gutes Geld verdienen - das war bei uns noch nicht so. Ich bedaure, dass alles so schnelllebig geworden ist. Leistungen sind morgen schon wieder vergessen. Was vor einem Jahr oder einer Woche war, interessiert heute keinen mehr.

Maier: Na klar, logisch. Wir haben früher gegessen, was uns geschmeckt hat. Die Spieler von heute müssten mal wieder zu diesen alten Gewohnheiten zurückkehren - vielleicht spielen sie dann besser. Lockerer wären sie auf alle Fälle, wenn sie ein paar Weißbier drin hätten...

Maier: Ja, sicher. Wir haben uns intern längst darüber unterhalten. Das ist kein Problem mehr.

Maier: Ja, klar. Aber es ging mir nicht so sehr um meine Person, sondern um die von Oliver Kahn. Ich glaube, es war nicht fair, was Klinsmann mit ihm gemacht hat. Oliver Kahn hatte sich nichts zuschulden kommen lassen, er hat seine Leistung gebracht. 2006 ist er deutscher Meister und Pokalsieger mit dem FCBayern geworden, während Jens Lehmann bei Arsenal zeitweise auf der Bank saß. Und dann spielt Lehmann bei der WM im eigenen Land. So etwas kann es normalerweise nicht geben.

Maier: Stellen Sie sich vor, das wäre 1974 passiert. Ich hätte den Bundestrainer abgemurkst. Wann hast du als Spieler schon einmal die Chance, eine Weltmeisterschaft im eigenen Land zu spielen? Die kriegt Oliver Kahn nie wieder.

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