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Fake: Schlagstock und Waffenschein bei Aldi — kruder Prospekt geistert durchs Netz

Fake : Schlagstock und Waffenschein bei Aldi — kruder Prospekt geistert durchs Netz

In rechten Gruppen sorgt ein vermeintlicher Aldi-Prospekt mit Waffen nebst Lizenz für Begeisterung. Die Idee dazu kommt aus der Punk-Ecke.

Düsseldorf. Schlagstöcke, Pfefferspray, Schutzweste und Waffenschein — ein gefälschter Aldi-Prospekt mit eben diesem Angebot verbreitet sich seit einigen Tagen im Netz. Besonders in rechten Facebook-Gruppen findet das Angebot für „alles für den Selbstschutz“ Anklang und wird fleißig geteilt.

 Ein vermeintlicher Aldi-Prospekt sorgt in rechten Gruppen für Erheiterung. Die Idee stammt von links.
Ein vermeintlicher Aldi-Prospekt sorgt in rechten Gruppen für Erheiterung. Die Idee stammt von links. Foto: wz

Aldi Nord hat gegenüber dem Jugendmagazin bento schon klargestellt, dass der Discounter nichts damit zu tun habe und bereits auf die Löschung der Posts dränge. Bis zum Dienstagmorgen, 13. Juni, 10 Uhr war das jedoch noch nicht erfolgt.

Wäre eigentlich egal — mit etwas gesundem Menschenverstand ist die vermeintliche Angebotswerbung schnell als Fake zu erkennen. Oder relativ schnell. Zu aller Sicherheit wiesen die Pegida-Freunde Aachen ihre Fans drei Tage nach dem Ursprungs-Post explizit darauf hin, dass es sich um einen Fake handelt: „Das Angebot ist nicht echt es sollte lediglich zum nachdenken und zum diskutieren anregen“, heißt es im Facebook-Auftritt. Und: „Vielleicht sollte sich das Aldi mal überlegen.“

Die Idee zum „Waffenschein bei Aldi“ kommt ursprünglich übrigens aus einer ganz anderen Ecke: Die Ska-Punk-Band Sondaschule aus Mülheim an der Ruhr veröffentlichte Anfang Juni ihre neue Single. Titel: „Waffenschein bei Aldi“, eine satirische Auseinandersetzung mit verbaler Aufrüstung und steigender gesellschaftlicher Aggressivität. Im Clip zum Lied ist der gefälschte Aldi-Prospek kurz zu sehen (bei 1:13 Minuten), direkt nach einer gefälschten „Feind-BILD-Zeitung“. Dem anderen Lager hat’s wohl so gut gefallen, dass jemand sich die Mühe machte, den Prospekt nachzubauen.

Die Band selbst ist nicht begeistert über die Adaption. Der Song sei Satire, stellen sie auf WZ-Anfrage nochmal klar. Und: "Wir bedauern, dass bestimmte Kreise nicht in der Lage sind, derartig überspitzte Darstellungen richtig einzuordnen." Gleichzeitig freue man sich, dass Aldi "sich nicht von falsch geleiteten Gruppierungen instrumentalisieren lässt" und die Idee verstehe - so interpertieren die Musiker den Kommentar der Social-Media-Abteilung unter dem Facebook-Post des Musikvideos. Hier schrieb der Discounter: "Zum Glück haben wir nichts mit Waffen am Hut" - und postete den Link zu einem Gif einer tadelnden Nonne.



Die Band Sondaschule "steht seit Gründung für ein menschliches Miteinander, Demokratie und gegenseitige Solidarität und kämpft seit mehr als 15 Jahren gegen jegliches rechtes Gedankengut, Neonazis, Faschismus und aufkeimende nationalistische und populistische Bürgerbewegungen à la AfD", stellen die Musiker klar. red