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Schiefbahn/ Jüchen: Sein Reichtum ist die Armut

Schiefbahn/ Jüchen: Sein Reichtum ist die Armut

Seit vielen Jahren versucht Pater Andreas Petith, jungen Leuten christliche Werte zu vermitteln. Der Geistliche ist Leiter eines Klosters.

Schiefbahn/ Jüchen. Armut. Gehorsam. Ehelosigkeit. Beharrlichkeit. Zu diesen vier Dingen hat sich Andreas Petith (52) verpflichtet. Der Pater ist Ordensmitglied bei den Hünfelder Oblaten und leitet das Nikolauskloster bei Jüchen.

In Willich kennt man ihn vor allem als Seelsorger des Schiefbahner St. Bernhard-Gymnasiums: Seit vielen Jahren ist er der Schule und ihren Menschen eng verbunden. Auch heute noch, obwohl sein Orden vor mehr als einem Jahr die Trägerschaft an die Malteser abgegeben hat.

Armut. Gehorsam. Ehelosigkeit. Beharrlichkeit. Wieso verpflichtet sich ein junger Mann dazu? "Ich habe keine Berufung wie der Heilige Paulus erlebt, bin nicht vom Blitz getroffen worden.

Bei mir war das eine langjährige Geschichte", erzählt der Pater, während er im Speisesaal seines Klosters bei einer Tasse Kaffee sitzt. Den Besen hat er eben erst aus der Hand gelegt: Auch der Rektor des Klosters muss bei der Grundreinigung kräftig mit anpacken.

Pater Petith kennt das aber nicht anders: Schon als junger Mann war er in das Jüchener Studienheim der Oblaten gekommen, um auf dem zweiten Bildungsweg das Abi nachzumachen und den Ordensberuf zu ergreifen: "Von den rund 500 Schülern, die wir hier insgesamt schon gehabt haben, ist etwa die Hälfte Priester geworden."

Armut. Gehorsam. Ehelosigkeit. Beharrlichkeit. Als Kind in der behüteten Atmosphäre eines Dorfes bei Bad Homburg war der spätere Pater erstmals mit dem Ordensleben in Berührung gekommen: Ein Onkel war Kapuzinermönch, und wenn der das Dorf besuchte, war die ganze Familie in Aufregung.

"Der Mann hat was ausgestrahlt", erinnert sich Pater Andreas. Er selbst ging beruflich zunächst einen anderen Weg: Andreas Petith machte nach der Mittleren Reife eine dreijährige Ausbildung zum Erzieher. Schon damals habe er jedoch gespürt, dass er sich innerlich in eine andere Richtung als seine Freunde entwickelt.

Und das Vorbild des Onkels hat ihn wohl auch nicht ganz los gelassen. Als er eine Anzeige in der Kirchenzeitung las, worin für die Ausbildungsstätte im Nikolauskloster geworben wurde, meldete er sich spontan - und hatte kurze Zeit später die Zusage.

Der Sohn geht ins Kloster - für die Eltern von Andreas Petith war das zunächst eine schwierige Sache. "Mein Vater war Unternehmer, hatte in den 50er Jahren eine Autowerkstatt mit Ersatzteilhandel aufgebaut und später Schallplatten hergestellt. Als Nachfolger kam ich nun nicht mehr in Frage."

Statt dessen zog sich der Sohn, nachdem er im Nikolauskloster das Abitur nachgemacht hatte, in die Spiritualität des Ordenssitzes in Hünfeld zurück. Ein ganzes Jahr. "Da prüft man sich wirklich."

Für Andreas Petith stand danach felsenfest: "Du gehst zu den Oblaten." Priester allein, nein, das hätte ihm nicht gereicht: "Mir war der Ordensberuf wichtig."

Armut. Gehorsam. Ehelosigkeit, Beharrlichkeit. Das sind die Gelübde, die er schließlich ablegte. Und die er während des fünfjährigen Theologiestudiums - Priesterweihe: 1988 - mehrfach bekräftigte. Sein Ziel: "Die Botschaft Jesu Christi unter die Leute bringen."

Denn dass Gott an Weihnachten in seinem Sohn Mensch geworden ist, das sei unendlich groß und wertvoll. Jesus habe sich für die Leute "krumm gelegt" - und Pater Petith möchte ihm auf diesem Weg folgen.

Das Mobil-Telefon auf dem Esstisch klingelt. Nicht zum ersten Mal am heutigen Morgen muss der Pater das Gespräch unterbrechen: Für den Leiter der kleinen Klosters - es gibt hier nicht einmal ein halbes Dutzend Pater und Laienbrüder - sind ständig irgendwelche Probleme zu lösen. Mal wollen Handwerker etwas wissen, dann meldet sich eine Besuchergruppe an, dann gibt’s Probleme mit Parkplätzen.

Auch die Finanzen der Gemeinschaft liegen in seiner Verantwortung. "Keine leichte Sache", sagt der Pater und seufzt. Die zwölf jungen Männer, die im Moment gerade im Kloster leben und ihr Abitur machen wollen, werden deshalb zu den täglichen Arbeiten wie Kochen und Putzen herangezogen.

Nicht immer ohne Probleme. "Übers Internet sind sie in der virtuellen Welt zuhause, aber in der wirklichen Welt können sie oft keinen Stapel Teller tragen."

Armut. Gehorsam. Ehelosigkeit. Beharrlichkeit. Pater Andreas kennt es nicht anders. Weltfremd ist er damit nicht. Vor allem in der Schule kommen die Leute mit ihren ganz alltäglichen Problemen zu ihm - Schüler wie Lehrer. Schlechte Noten. Ehekrise. Scheidung.

Berufliche Probleme: In einer Zeit, "in der die Kälte Triumphe feiert", versucht der Pater, Halt zu geben und das Leben lebenswert zu machen. "Paradiesische Zustände", davon ist er überzeugt, würden herrschen, wenn sich alle an Jesus Christus orientieren würden. Die Gymnasiasten lädt er deshalb regelmäßig ins Kloster ein.

Zwei "Tage der religiösen Orientierung" verbringen etwa die neunten Klassen bei ihm - ohne Handy, ohne MP3-Player, ohne PC. "Sie beschäftigen sich mit sich selbst, mit dem Nächsten und mit Gott." Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? "Dabei wird viel gelacht - und viel geweint", berichtet Pater Petith.

Ein teures Auto, ein großes Haus, ein dickes Bankkonto - all’ dies besitzt Pater Andreas nicht. Denn zur Armut hat er sich verpflichtet. Und doch: Fragt man ihn, ob er sich als reicher Mann fühle, dann antwortet er ganz klar und schlicht: "Ja!"