Karneval: Rosenmontag: Demokratiefresser im Visier der Narren

Karneval: Rosenmontag: Demokratiefresser im Visier der Narren

Attacken auf Trump & Co. — die Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontagszug waren in diesem Jahr besonders politisch-bissig.

Düsseldorf/Köln. Was macht Jacques Tilly mit Donald Trump? Wie greift der für seine schonungslosen Motive bekannte Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs den US-Präsidenten an, nachdem er ihn im vergangenen Jahr noch nicht so ernst nehmen musste und als blankes Gesäß mit blonder Frisur karikierte? Das war die Frage bis Montagmorgen, als die bis dahin traditionell geheim gehaltenen Wagen enthüllt wurden.

Frontal — ist die Antwort. Und das ist noch verharmlosend ausgedrückt. Die Fortsetzungsgeschichte auf zwei der Wagen geht so: Auf Wagen 1 vergewaltigt der Präsident die Freiheitsstatue. Deren wütender Blick zeigt schon an, dass diese das nicht so geschehen lässt. Auf Wagen 2 zeigt sie ein strahlendes Lachen, auf ihrer Brust steht geschrieben: America resist — Amerika widerstehe. In der Linken hat sie die Verfassung, in der rechten den abgetrennten Kopf Trumps.

Tilly, am Rande des Rosenmontagszugs darauf angesprochen, ob sich das Weiße Haus schon per Twitter gemeldet habe, gibt zur Antwort, dass er am Nachmittag mit Atombomben rechne. Der Künstler, selbst als Freiheitsstatue gekleidet, gibt sich närrisch, aber seine Mottowagen sind zornig wie selten zuvor. „Blond ist das neue Braun“ heißt einer. Und der zeigt noch einmal Trump in einer Reihe mit Marine Le Pen und Geert Wilders. Daneben ein teuflisch blickender Adolf Hitler, an Haupthaar und Schnauzbart erblondet. Und noch mal geht es weiter mit diesem Thema: Putin, Kaczynski, Erdogan und Trump fressen sich als gierige Raupen durch ein grünes Blatt, auf dem „Demokratie“ steht. Einige Buchstaben verschwinden bereits.

Doch Tillys karnevalistischer Zorn ist auch damit noch nicht verraucht. Den türkischen Präsidenten Erdogan knöpft er sich in einem Extra-Wagen vor: Einen kleinen frechen Clown, der für die Kabarettisten hierzulande und die Journalisten im eigenen Land steht, brüllt der Mann, auf dessen Kopfschmuck der Schriftzug „Erdowahn“ steht, an: „Terrorist“.

Bei der inländischen Politik nimmt Tilly die AfD aufs Korn, die er als laut rufendes Männlein darstellt, das zwei Becken mit der Aufschrift „Hass auf Muslime“ aufeinanderschlägt. Dahinter ein grinsender IS-Terrorist mit der Spruchblase: „Unsere nützlichen Idioten.“

Mit Blick auf die Bundespolitik wird Tilly weniger bissig, trifft es aber mit der Zielsicherheit des Karikaturisten: Da ist ein Martin Schulz, der durch die heiße Luft der Umfragewerte bis zum Platzen aufgepumpt ist. Auf einem anderen Wagen hat der SPD-Kanzlerkandidat als Steinzeitmensch einem riesigen Mammut einen Speer ins Hinterteil gerammt. Er wirkt wie ein lästiges Insekt, als er sich an den eigenen Speer klammert. Das Mammut — es heißt vielsagend Mammutti — scheint unbeeindruckt seinen Weg weiterzugehen.

Bei so viel Attacke und Witz hat es der Kölner Karnevalszug wie immer schwer. Ja, auch da gibt es Trump zu sehen, auch da wird er als Brutalo dargestellt, der als Schuljunge Hillary Clinton an den Haaren hinter sich herzieht und seine Trophäe stolz Wladimir Putin präsentiert. Angela Merkel ist ein auf dem Rücken liegender Marienkäfer, hinter ihr ein flugtauglicher Schmetterling Martin Schulz. Ein Wagen greift die Misere des Leit(d)- zinses und den Auswirkungen auf den Sparer auf — ein Thema, das für feiernde Karnevalisten eher eine Spaßbremse sein dürfte. Es geht viel um das Motto des Kölner Karnevals „Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck“ (Wenn wir unsere Kinder sehen, sind wir von den Socken.) Um fehlende Kitaplätze, um Helikoptereltern, ums Turbo-Abi. Alles ganz nett anzusehen. Aber weit entfernt von dem, was die Narren in Düsseldorf geboten bekamen.