Richard O’Barry kämpft, damit Delfine nicht weiter leiden

Richard O’Barry kämpft, damit Delfine nicht weiter leiden

Richard O’Barry trainierte einst den berühmten Flipper. Jetzt kämpft er gegen die Haltung der Tiere in Zoos.

Düsseldorf. 88 Mal rettete Flipper Menschen aus Seenot, jagte Verbrecher und half den beiden Jungen Sandy und Bud in allen Lebenslagen. Immer gab es ein Happy End. Doch für einen, der maßgeblich an der beliebten Fernsehserie mit dem klugen Delfin, dem „Freund aller Kinder“ (Titelmelodie) beteiligt war, gibt es kein Happy End.

Richard O’Barry, der damals die fünf Flipper-Darsteller trainierte, ist längst auf die andere Seite gewechselt. Sein Ziel: Schließung von Delfinarien. Am Freitag war der 72 Jahre alte Tierschützer Kopf einer Demonstration vor dem Duisburger Zoo mit seinem Delfinarium, das er als „eines der schlimmsten der Welt“ bezeichnete.

„Es gab neun in Deutschland, als ich mit meiner Kampagne anfing, jetzt sind es noch drei (Duisburg, Nürnberg und Münster)“, sagte der Aktivist bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Das in Münster wird Ende des Jahres keine Delfine mehr haben, was freilich, wie Zoo-Sprecherin Ilona Zühlke sagt, nichts mit den Protesten zu tun habe. Man habe einfach kein Geld, das Delfinarium nach modernen Standards umzubauen.

Für O’Barry kann ein Delfinarium gar nicht die Standards erreichen, die die Tiere brauchen. „Dort können sie sich nicht ausweichen. Sie wissen nicht, was ein lebender Fisch ist, das Dach über der mit Wasser befüllten Betonbox ist für sie der Himmel.“

Es regt ihn auf, immer wieder das Argument zu hören, in Delfinarien lerne man doch etwas über die Tiere: „Was lernen die Kinder denn da? Ein Spektakel der Beherrschung. Sie lernen, wie das funktioniert, wenn durch Dressur Macht ausgeübt wird.“ Ulf Schönfeld, Delfinpfleger in Duisburg, sieht das ganz anders: „Wir haben dem Ruhrgebiet diese Tiere nähergebracht.“

Der Tierpfleger sieht in den neun großen Tümmlern „Botschafter für die Delfine in der freien Wildbahn. Wer sie hier gesehen hat, wird auch für ihren Schutz in der freien Wildbahn eintreten.“ Für O’Barry dagegen sind die Delfine Opfer, nicht Botschafter. In den Delfinarien seien sie „Wegwerf-Delfine, die für ein kurzfristiges Vergnügen“ missbraucht würden. „Nur weil sie für uns aussehen, als wenn sie lachen, heißt das nicht, dass sie glücklich sind.“

O’Barry wurde für seine Aktionen immer wieder festgenommen, zahlte Strafen, erfuhr aber auch Anerkennung. Bekannt machte ihn sein aufrüttelnder Film „Die Bucht“. Ein Dokumentarfilm über die Treibjagd auf Delfine im japanischen Taiji, wo Tausende Tiere in eine Bucht getrieben, die schönsten Exemplare zum Verkauf an Delfinarien ausgesondert und der Rest blutig abgeschlachtet wird.

Was treibt ihn? Ist es ein Gefühl der Schuld, weil er durch die Flipper-Filme den Boom von Delfinarien beförderte? „Schuld? — über den Gedanken bin ich weg“, sagt er. „Meine Motivation ist der Fortschritt.“ Und das bedeute, immer mehr Menschen aufzuklären: „Kauft keine Tickets für solche Shows“, sagt er, dann habe das Leid der Tiere ein Ende.

Gab es für ihn ein Schlüsselerlebnis, die Seiten zu wechseln? Da erinnert er sich gut: Als einer der Flipper-Darsteller sich auf dem auf einen Bootssteg gestellten Fernseher eindeutig selbst erkannt habe. „Als er diese Laute von sich gab, wurde mir klar, das ist ein Wesen, das sich seiner selbst bewusst ist. Solch ein Lebewesen dürfen wir nicht abrichten, dressieren, ihm Gewalt antun.“

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