Revolutionäre Operationstechnik: Mick Jagger bekam neue Herzklappe

Durch die Leiste : Revolutionäre Operationstechnik: Mick Jagger bekam neue Herzklappe

Am Freitag vergangener Woche bekam Rocksänger Mick Jagger eine neue Herzklappe. Traditionell wird in solchen Fällen der Brustkorb geöffnet und am offenen Herzen operiert. Nicht so bei dem 75-Jährigen.

Als die Rolling Stones in den 60er Jahren auf die Bühne traten, wurde ihre Musik als revolutionär bezeichnet. Der gleiche Ausdruck trifft auch auf den Eingriff zu, bei dem Stones-Sänger Mick Jagger am Freitag eine neue Herzklappe eingesetzt bekam. Erfunden wurde die Operationstechnik 2002 vom französischen Mediziner Alain Cribier. "Ich bin eigentlich kein Fan der Rolling Stones, aber das hat mich gefreut", sagte Cribier der Nachrichtenagentur AFP nach der Operation.

Cribier ist ein Experte für die Behandlung von Aortenklappenstenose, eine Einengung des Ausflusstraktes der linken Herzkammer, die häufig bei über 65-Jährigen auftritt. Kalkablagerungen an der Herzklappe beeinträchtigen deren Öffnungsmechanismus, so dass sie ersetzt werden muss.

Traditionell wird in solchen Fällen der Brustkorb geöffnet und am offenen Herzen operiert, wofür dieses angehalten und der Blutfluss maschinell gewährleistet wird. Cribiers minimalinvasive Methode ist sehr viel weniger riskant und kann bei lokaler Betäubung durchgeführt werden.

Hierfür wird durch die Leiste ein Katheter in die Oberschenkelarterie eingeführt, an dessen Spitze eine Art Metallgerüst angebracht ist, das die künstliche Herzklappe und einen kleinen Ballon enthält. Sobald das Gerät in Position gebracht ist, wird der Ballon aufgeblasen, der sogenannte Stent öffnet sich und die künstliche Klappe verdrängt die alte.

Laut Cribier wurden in den vergangenen zehn Jahren 400.000 Menschen in 65 Ländern auf diese Weise operiert - so auch der 75-jährige Jagger, wie die Website "Billboard" berichtete. Bereits am Freitag meldete sich der Rolling Stones-Frontmann auf Twitter zu Wort und teilte mit, er fühle sich schon "viel besser".

Die nach der englischen Abkürzung Tavi genannte Methode sei "wie eine Bombe eingeschlagen", bekräftigte der Professor. Niemand habe es zuvor für möglich gehalten, eine Herzklappe zu ersetzen, ohne die Brust zu öffnen.

ma/ck

(AFP)
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