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Punkpatin Patti Smith wird 65

Punkpatin Patti Smith wird 65

Patti Smiths Zorn der frühen Jahre ist milder geworden — die Provokation liebt und lebt die Sängerin aber immer noch.

New York. Fast vier Jahrzehnte liegen zurück, seit Patti Smith im New Yorker Kultclub CBGB ihr Debüt als Rockmusikerin gab. Dem Auftakt in dem schmuddeligen Kellerlokal folgten Tourneen durch die ganze Welt. Ein Dutzend Alben hat die zierliche Amerikanerin seitdem herausgegeben.

Smith schrieb Gedichte, die sie bei Lesungen mit Allen Ginsberg und William S. Burroughs vortrug. Mit ihren Bildern machte sie sogar Andy Warhol auf sich aufmerksam. Die meisten ihrer berühmten Wegbegleiter sind tot. Die Ikone der Rock- und Punkmusik aber, Patti Smith, feiert am Freitag ihren 65. Geburtstag.

Ihre Musik, Gedichte und Bilder sind Kompositionen aus Rausch, Rock und Rebellion, von rätselhafter Spiritualität, offener Sozialkritik, von Sehnsucht nach Liebe und Begegnung mit dem Tod.

Die Frau mit den vielen Talenten wird auch in Deutschland als Rocksängerin und Songwriterin, als Schriftstellerin und Künstlerin gefeiert. „Ich verstehe mich als Arbeiterin“, entgegnet sie, „ob ich auftrete, fotografiere, aufnehme oder male“. Ihr Buch „Just Kids“ gewann den National Book Award 2010, einen der wichtigsten Literaturpreise der USA. Darin erzählt sie von ihrem Verhältnis mit dem skandalumwitterten Fotografen Robert Mapplethorpe.

Ihr Debüt-Album „Horses“ aus dem Jahr 1975 war wegen seiner poetischen Texte und der grobschlächtigen Gitarrentechnik bei Kritikern sensationell eingeschlagen. Das Fachmagazin „Rolling Stone“ räumte Smith auf seiner Liste der „100 größten Künstler aller Zeiten“ Rang 47 ein. Obwohl Smith in ihrer langen Karriere nur einen einzigen Superhit produzierte — „Because the Night“ aus dem Jahr 1978 — hat sie Hunderte von Bands beeinflusst.

In Chicago geboren und in New Jersey aufgewachsen, musste Patti schon mit 16 die Schule hinter sich lassen und in einer Fabrik arbeiten. Nach einem abgebrochenen Studium und einem Baby, das sie zur Adoption freigab, fand sie unter Intellektuellen in New York ihren Kreis. In den 1980ern folgte Smith ihrem Mann Fred „Sonic“ Smith nach Detroit, hatte zwei Kinder mit ihm.

Fred erlag 1994 einem Herzinfarkt. Wenige Monate später starb auch Pattis Bruder Todd. Zögernd entschloss sich Smith zum Comeback. Sie ging mit Bob Dylan auf Tour, trat mit Bruce Springsteen auf und nahm nach eineinhalb Jahrzehnten das neue Album „Gone Again“ auf.

Die Tragödien in ihrem Leben haben Patti Smith für viele ihrer Anhänger zu einer Art Idol gemacht. Provozierend steht sie heute wie damals auf den Bühnen. Doch statt ihr Publikum mit zorniger Gesellschaftskritik zu belasten, gibt Smith heute fast mütterlich-sanften, aber sehr hintergründigen Rat: „Do you like the world around you? Then change it.“ (Gefällt Dir die Welt um Dich herum? Dann ändere sie.)