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Problembären: Bayern zittert vor Brunos Brüdern

Problembären: Bayern zittert vor Brunos Brüdern

Die zwei Jungtiere gehen bald auf Wanderschaft. Das Umweltministerium hat einen „Bärenplan“.

München. Nicht einmal ein Jahr nach dem Abschuss des "Problembären Bruno" breitet sich in Bayern erneut Bärenfieber aus. Brunos Brüder sind ins Visier der Behörden geraten. Die zwei etwa ein Jahr alten männlichen Jungbären dürften sich in Kürze von ihrer Mutter Jurka lösen und auf Wanderschaft gehen. Drei Wochen später könnten sie in Deutschland sein - und sie dürften ähnlich frech sein wie ihr Bruder.

Es gilt als sicher, dass die neunjährige Bärin ihre Nachkommen ähnlich erzogen hat wie Bruno. Von ihr lernten sie, wie man Hühnerställe plündert und Schafe reißt, ohne erwischt zu werden. Jurkas Trick, den sie auch an Bruno weitergab: Sie kommt nie an den Ort ihrer Taten zurück. "Man muss sich darauf einstellen, dass sich der neue Wurf ähnlich verhält und dass damit vergleichbare Probleme verbunden sind", sagt der Sprecher von Bayerns Umweltministerium, Roland Eichhorn. "Das kann bedeuten, dass der Bär kaum zu fangen, zu besendern und zu vergrämen ist."

Der von Politikern als "Problembär" eingestufte Bruno, der gerade wegen seiner Dreistigkeit so viele Sympathien gewonnen hatte, war nach wochenlangem Katz- und Maus-Spiel im Juni 2006 erlegt worden. "Bruno darf nicht umsonst gestorben sein", verlangt Berthold Merkel vom bayerischen Tierschutzbund.

"Der Bärenplan steht", sagt Roland Eichhorn. Das mit Experten und Verbänden abgestimmte Papier des bayerischen Umweltministeriums enthält Vorbeugemaßnahmen, Informationen für die Bevölkerung und Regelungen für die Entschädigung bei Zerstörungen durch Bären. Nur als letztes Mittel sieht der Plan einen Abschuss vor.

Experten verlangen zudem, die Jungbären möglichst schnell mit Sendern zu versehen. Ein Jungbär könnte dann mit Gummigeschossen schmerzhaft abgeschreckt werden, bevor er sich Siedlungen nähert. "Jurka noch umzupolen, wäre extrem schwierig", sagt Wagner. Einen jungen Bären könne man dagegen noch umerziehen.

Jurka war im Rahmen des EU-Projekts "Life Ursus" in Südtirol angesiedelt worden. Sie gilt als die Lebhafteste unter den insgesamt 21 Bären. Im Januar wurde sie samt Nachwuchs auf den Skipisten von Madonna di Campiglio gesichtet. In den vergangenen Nächten soll sie wieder Hühner gerissen und Bienenstöcke beschädigt haben. "Wir werden sie wahrscheinlich in einem Gehege einsperren, brauchen aber noch die Genehmigung des Umweltministeriums", kündigte Claudio Groff an, Sprecher der Provinz Trient. Gerüchte, dass Jurka abgeschossen werden könnte, wies er zurück.

Auch Bayern will einen neuen Abschuss unbedingt vermeiden, bereitet Bruno den Behörden doch noch genug Kopfzerbrechen. Der römische Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio verlangt weiter die Auslieferung des gebürtigen "Italieners". Bayern hält den Aufenthaltsort des tiefgefrorenen Bärenkadavers hingegen geheim. In Kürze soll er präpariert und danach im Museum ausgestellt werden.