Panther-Baby als Lockvogel

Panther-Baby als Lockvogel

Eine schwarze Raubkatze macht die belgische Eifel unsicher. Oder ist sie nur ein Phantom?

Malmedy. Er ist ein Wundertier, dieser Panther. Kaum jemand hat ihn wirklich gesehen, es gibt auch keinen Beweis, dass er tatsächlich existiert. Aber trotzdem hat er es bundesweit in die Schlagzeilen geschafft: der "Eifel-Panther", "Problem-Panther" oder "Djonny Bondjorno", wie ihn die Hörer des Radiosenders Eins Live getauft haben.

Im Internet springt das Tier auf einem Video geschmeidig wie eine Katze über einen Forstweg. Zugegeben, die Bildqualität ist alles andere als optimal, sie ist miserabel. Aber auch das hat das Fernsehen nicht daran gehindert, die Bilder zu senden.

Jetzt soll die Raubkatze mit einem Panther-Baby angelockt und dann betäubt werden. "Der Vorschlag eines belgischen Experten wird zurzeit geprüft", sagte Michel Velz von der Polizei in Malmedy gestern: "Es wird alles gemacht, um das Tier lebendig zu fangen." Ein Autofahrer und Polizisten hatten den mutmaßlichen Panther zuletzt am Donnerstag erneut bei der Ortschaft Falize gesehen.

Die Geschichte begann vor etwa einer Woche mit Jean-Claude Gabriel. Beim Pilze-Sammeln in der belgischen Eifel hatte er eine Erscheinung. Zunächst dachte er an einen Hund, der in einiger Entfernung über den Weg lief. "Dann habe ich gedacht, es ist kein Hund", sagte er dem WDR. Er habe näher gezoomt und festgestellt: "Es ist eine Katze, eine sehr große, schwarze Katze." Einen Tag später ging er zur Polizei. Beamte haben das Tier mittlerweile auch in natura, aber aus einiger Entfernung gesehen und kommen zu dem Schluss: "Das ist viel zu groß für eine Katze."

Immer wieder tauchte der "Eifel-Panther" in der Malmedyer Gegend auf, insgesamt viermal wollen ihn Menschen gesehen haben. Wie sehr aber Gedanken die Wahrnehmung durchkreuzen können, beweist ein Ereignis im deutschen Eifelort Simmerath, eine ganze Ecke von Malmedy entfernt. Ein Anwohner hatte Panther-Alarm geschlagen. "Wanderer, Anwohner und Touristen riefen an und fragten, ob sie sich noch in den Wald trauen dürften", schildert Polizeisprecher Paul Kemen. Dann Entwarnung: Der Panther war eine Gassi gehende Labradorhündin.

Seitdem ist der Panther für den Leiter des Simmerather Ordnungsamtes unterhaltsames "Kaffeepausenthema", über das er witzeln kann: "Ehe der nach Simmerath kommt, muss er durch Monschau", spielt er der Nachbarstadt den Ball zu.

Gerd Ahnert, der stellvertretende Leiter des Nationalparks Eifel, hat mal etwas genauer recherchiert. Seit dem 26.August geistert der Panther durchs Internet, soll von Frankreich über Luxemburg nach Belgien gezogen sein. "Zehn Wochen ohne konkrete Spur, das gibt es nicht in einem dicht besiedelten Gebiet", sagt Ahnert. Keine Fußspur, kein gerissenes Schaf, kein toter Hund.

Außerdem sei das Tier auf dem Video für einen Panther viel zu klein. "Das muss ein Handtaschen-Panther sein." Trotzdem halte natürlich jeder die Augen offen. Ähnlich sieht es sein belgischer Kollege Christoph Pankert: "Ein Panther ist mindestens doppelt so groß."

Wolfram Graf-Rudolf hat in seinem früheren Berufsleben schon mal eine richtige Begegnung mit einem Panther in freier afrikanischer Wildbahn gehabt. "Nicht mit den Augen fixieren und ruhig entfernen", rät der Leiter des Aachener Zoos in einem solchen Fall. Auch er hat das Video angesehen. "Das ist ganz sicher eine Raubkatze", meint er. Er plädiert dafür, das Tier zu fangen. "Wenn das nicht fruchtet, wächst mein Verständnis für die belgische Polizei, wenn sie das Tier abschießt." Denn ein hungernder Panther könne durchaus ungemütlich werden.

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