Pandemie: Forscher rätseln über Schweinegrippe

Pandemie: Forscher rätseln über Schweinegrippe

Mehr als 100 Menschen sind bereits gestorben. Auch für Deutschland gibt es keine Entwarnung.

Düsseldorf. Ein Virus reist um die Welt. Nachdem am Mittwoch am Düsseldorfer Flughafen bei zwei Reisenden das Schweinegrippe-Virus A/H1N1 entdeckt wurde, ist die Zahl der Infizierten in Deutschland auf 20 gestiegen.

"Bei uns ist die Lage derzeit stabil, doch Entwarnung kann nicht gegeben werden. Auch Deutschland muss mit weiteren Erkrankten rechnen", sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts. "Bei der saisonalen Grippewelle sterben in Deutschland im Schnitt pro Jahr 10 000 Menschen. Dagegen ist die Zahl der an Schweinegrippen Infizierten bislang vergleichsweise gering." Doch noch weiß keiner, was noch kommen wird.

Die Forscher bemühen in den Diskussionen um die Schweinegrippe und ihre weitere Entwicklung sehr häufig den Konjunktiv. Prognosen mag keiner abgeben. "Wir wissen einfach noch nicht genug über das Virus", sagt Glasmacher. Möglich ist auch, dass die Pandemie nach gewisser Zeit von selbst abebbt.

Das größte Problem: Noch gibt es keinen wirksamen Impfstoff gegen die neue Grippe. Immerhin sei der Erreger bislang homogen, das bedeutet, dass ein einziger Impfstoff die Krankheit eindämmen könnte. "Das vereinfacht die Sache sehr", sagt Nancy Cox, Direktorin der amerikanischen Seuchenbehörde. Nur gefunden ist dieses Mittel eben noch nicht. Und weiter ist nicht auszuschließen, dass die Viren ihr Erbgut noch verändern. Es ist sogar wahrscheinlich, wenn sich die Krankheit weiter ausbreitet.

Die 20 bislang in Deutschland bekannten Infizierten sind nur milde von dem Virus betroffen. "Es ist so, dass nur ein bestimmter Prozentsatz der Infizierten schwer oder gar lebensbedrohlich erkrankt", sagt Susanne Glasmacher. Derzeit liegt dieser Satz weltweit bei unter einem Prozent. Neun der 20 deutschen Erkrankungsfälle wurden aus Mexiko, sechs aus den USA eingeschleppt. Fünf Übertragungen sind in Deutschland aufgetreten, in zwei Familien von Reiserückkehrern und in einem Krankenhaus.

Weltweit sind rund 13400 Menschen in rund 50 Ländern infiziert, die Dunkelziffer könnte deutlich höher liegen. In Europa vermeldet Spanien die meisten mit Schweinegrippen Infizierten (138). Die Zahlen in den USA (6764) und in Mexiko (4541) sind ungleich höher. Mehr als 100 Menschen sind schon an der Krankheit gestorben, bislang nur auf dem amerikanischen Kontinent, vor allem in den USA und in Mexiko. Tendenz steigend.

"Es gibt keinen Zweifel: Das Virus verbreitet sich weiter", sagt der Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt in der Weltgesundheitsorganisation WHO, Keiji Fukuda. Derzeit werde noch darüber diskutiert, wann genau die höchste Warnstufe sechs ausgerufen werden soll. Bislang gilt Phase fünf, die durch eine fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung in mindestens zwei Staaten einer WHO-Region charakterisiert wird. Eine vergleichbare Einstufung gab es 2003 beim Auftreten des Sars-Virus.

Hierzulande haben Bund und Länder für den Fall einer weiteren Ausbreitung seit 2005 einen so genannten Pandemieplan, eine Anleitung für zu treffende Maßnahmen und Aufgaben. "Deutschland ist gut aufgestellt, Medikamente zur Behandlung des Virus sind vorhanden. Auch die Tests laufen gut", sagt Glasmacher.

So lange es keinen Impfstoff gibt, bleibt nur die Möglichkeit, Reisende, die aus den besonders stark betroffenen Staaten Mexiko und USA kommen, noch am Flughafen zu untersuchen. In Düsseldorf werden zusätzlich Passagiere aus Kanada gleich nach der Landung zum Arzt gebeten. Anders in China: Dort wird noch im Flugzeug Fieber gemessen mit einem Thermometer, das aussieht wie eine Laserpistole. Diese Prozedur mussten jüngst die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über sich ergehen lassen.

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