Ölpest: Metallkuppel soll Meer retten

Ölpest: Metallkuppel soll Meer retten

In der kommenden Woche will BP die Abdeckkuppel über dem Bohrloch montieren. Trotzdem sind Tausende Küstenvögel bedroht.

Venice/ Washington. Besseres Wetter und ruhigere See lassen die Einsatzkräfte im Golf von Mexiko auf Fortschritte im Kampf gegen die dramatische Ölpest hoffen. Spätestens am Mittwoch soll wieder damit begonnen werden, mit Hilfe von Spezial-Schiffen den schmierigen Teppich von der Meeresoberfläche abzuschöpfen, sagte ein Sprecher des Einsatzstabes. Hohe Wellen hatten das zuletzt verhindert.

Hoffnung setzt der Ölkonzern BP vor allem auf eine riesige, 65 Tonnen schwere Metallkuppel, die über die ständig sprudelnde Ölquelle am Meeresboden gestülpt werden soll. Am Ende wird die lange Kuppel von einem großen Trichter abgeschlossen. Damit soll das austretende Öl aufgefangen und kontrolliert an die Oberfläche geleitet werden.

Erfahrungen damit haben die Experten aber nicht: Nach Angaben von BP-Manager Doug Suttles wurde diese Methode bisher nur in flachem Wasser angewandt. Das offene Bohrloch liegt dagegen in 1.500 Metern Tiefe. Am Dienstagabend sollten erste Teile per Schiff zum Bohrloch gebracht werden. In einer Woche könnte das System dann einsatzbereit sein, hieß es.

Für den Golf von Mexiko fürchten Fachleute schlimmere Auswirkungen als beim Unglück mit dem Tanker "Exxon Valdez" vor der Küste Alaskas im Jahr 1989. Damals strömten knapp 40.000 Tonnen Rohöl ins Meer, mindestens 250.000 Seevögel verendeten. Beim jetzigen Unglück sind es mindestens 700 Tonnen Öl täglich. Es bedroht vor allem brütende Küstenvögel.

Zurzeit werden weiterhin Chemikalien mit Hilfe von Unterwasser-Robotern direkt an der Quelle ausgebracht, um das Öl zu binden. Zugleich begann BP mit Entlastungsbohrungen im Meeresgrund. Damit soll der Druck in der offenen Quelle verringert werden. Das Leck durch diesen "Nebenzugang" abzudichten, ist aber erst in Monaten möglich. Nach Experten-Schätzungen könnten sich die Kosten für BP inklusive möglicher Schadensersatzforderungen auf bis zu zwölf Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) summieren.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sprach sich derweil gegen neue Ölbohrungen vor der Küste seines Staats aus. "Ich sehe im Fernsehen Bilder von ölverschmierten Vögeln, von Fischern ohne Arbeit, den riesigen Ölteppich, der unsere wertvollen Ökosysteme zerstört. Das wird hier nicht passieren", sagte der Republikaner.

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