Novomatic mit Wien im Clinch: Ist eine Annäherung in Sicht?

Novomatic mit Wien im Clinch: Ist eine Annäherung in Sicht?

Die Stadt Wien hat unter Führung der SPÖ-Stadträtin Ulli Sima den Kampf gegen die Spielsucht weitergeführt. Nun traf es in Form von einer Razzia auch die Novomatic-Tochter Admiral, die für Sportwetten zuständig ist. Nach einer Razzia in einem Wettbüro von Admiral hat der Anbieter die Live-Wetten drastisch eingeschränkt. Derweil hat Novomatic die Verbesserung des Spielerschutzes in die Wege geleitet und zusätzlich die ehemalige Chefin der österreichischen Partei „Die Grünen“, Eva Glawischnig, als Verantwortungsmanagerin eingestellt.

Am 10. März kam es zu einer Razzia beim österreichischen Sportwetten-Anbieter Admiral. Beamte der Magistratsabteilung 36, die in Wien für Wetten zuständig sind, beschlagnahmten unter Mithilfe der Polizei die Terminals im Wettbüro in Wien-Ottakrieg. Der Verdacht, der die Razzia ermöglichte, war das Angebot von vermeintlich verbotenen Live-Wetten. Das Wettbüro wurde deshalb vorerst geschlossen.

Das ist ein weiterer Schlag für das österreichische Unternehmen Novomatic, dem die Admiral Sportwetten GmbH gehört. Der Glücksspielkonzern aus Gumpoldskirchen agiert zwar international, der Standort Österreich gehört aber natürlich zum Kerngeschäft. Der Stellenwert von Novomatic wird aus folgenden Fakten ersichtlich:

• 3300 Mitarbeiter in Österreich, mehr als 25000 insgesamt
• 2017 steigerte die Novomatic-Gruppe ihren Umsatz um 10 % auf 4,8 Mrd. Euro
• Novomatic ist an rund 300 Unternehmen beteiligt
• Die Admiral Sportwetten GmbH ist mit 200 Wettbüros der filialstärkste Sportwetten-Anbieter in Österreich

Seit 2015 hat die rot-grüne Stadtregierung in Wien Glücksspielautomaten außerhalb von Casinos verboten. Dadurch verlor Novomatic bereits Umsätze in Millionenhöhe und die Einnahmen aus Sportwetten mussten ebenfalls einen Dämpfer hinnehmen. Die Tochterfirma Admiral, mit über 200 Filialen der größte Betreiber von Wettbüros in Österreich, musste nämlich aufgrund von Verboten, die im Jahr 2016 erlassen wurden, ihr Angebot an Live-Wetten einschränken. Die Live-Wetten ähnelten einem Glücksspiel und sind in hohem Maße suchtgefährdend.

Zwar versicherte Admiral nur erlaubte Wetten anzubieten und ist auch zuversichtlich, den Rechtsstreit zu gewinnen, dennoch veränderte der Sportwetten-Anbieter sein Angebot. Die „Restzeitwetten“ wurden nun gestrichen. Bei diesen Wetten konnte man darauf setzen, wer die restliche Spielzeit gewinnt, selbst wenn das Spiel bald zu Ende ist. Ebenso wurden die Wetten auf Tennis-Matches gestrichen.

Die Grünen als Verlierer — Novomatic als Gewinner?

Vorausgegangen war eine Anzeige der österreichischen Partei „Die Grünen“, die sich in der Vergangenheit verstärkt um eine strengere Regulierung des Glücksspiels bemühten, um vor allem vor Spielsucht zu schützen. So hat es auch Eva Glawischnig gehalten, die langjährige Chefin der Grünen. Nun sorgte aber die ehemalige Spitzenpolitikerin mit dem Wechsel zu Novomatic für Schlagzeilen. Unter anderem werde damit die Glaubwürdigkeit ihrer gesamten Karriere in Mitleidenschaft gezogen, so Kritiker des Wechsels von der grünen Politik zum Glücksspielkonzern.

Anfang März hatte Glawischnig bekanntgegeben, dass sie von nun an als „Verantwortungsmanagerin“ für Novomatic tätig sein werde. Bei den Grünen ist sie bereits im Sommer 2017 aus gesundheitlichen Gründen als Parteichefin zurückgetreten. Nach dem medialen Aufschrei hat sie ihre Parteimitgliedschaft komplett zurückgezogen. Den Austritt hatte sie allerdings bereits vorher angekündigt. „Eva Glawischnig hat mir in einem Gespräch zugesichert, dass sie ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurücklegt“, so der Bundessprecher der Grünen, Werner Kogler, am 2. März.

Kritiker sehen in der Verpflichtung von Glawischnig eher eine Annäherung an ihr politisches Netzwerk als die Wirksamkeit ihrer neuen Position im Bereich der Corporate Responsibility und der Sustainability. Dennoch leidet natürlich nicht nur das Image von Glawischnig, die eigenen Aussagen nach „schon immer bei den ganz Großen dabei sein“ wollte.

Daher ist die Enttäuschung oder auch Empörung bei den ehemaligen Parteikollegen groß. „Das haben wir gebraucht wie einen Stein am Schädel“, so Maria Vassilakou, die aktuelle Wiener Grünen-Chefin. Der Ex-Nationalratsabgeordnete sieht in Glawischnig bereits eine neue Gegnerin: „Dann bekämpfen wir die Praktiken von Novomatic halt auch gegen eine Nachhaltigkeitsmanagerin Eva Glawischnig.“ Wie sich die Auswirkungen auf die politische Konkurrenzfähigkeit der Partei darstellen, wird sich noch zeigen. Österreichs Grüne befinden sich ohnehin am Abgrund, und das schon bereits seit der Parlamentswahl im Oktober vergangenen Jahres.

Die Vermutung, durch die ehemalige Grünen-Chefin Zugriff auf die politischen Kontakte zu erhalten, ist indes nicht weit hergeholt. Bereits in der Vergangenheit kam es bei Novomatic zu Problemen aufgrund von vermeintlich verbotenen Kontakten zur Politik.

Im Oktober 2014 kam es aufgrund des Verdachts des versuchten Gesetzeskaufs zu Razzien beim Ex-Generaldirektor Franz Wohlfahrt und in Büroräumen der Novomatic-Zentrale in Gumpoldskirchen. Dabei ging es um vermutete Bestechungszahlungen an den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Er solle im Zuge dessen bei der Liberalisierung des Glücksspielmonopols unterstützt und im Jahr 2005 die versuchte Erteilung einer Glücksspielkonzession an Novomatic vorangetrieben haben. Das Verfahren wurde allerdings im April 2017 eingestellt.

Neustart für Glücksspielautomaten in Wien

Novomatic hingegen versucht mit der Einstellung von Glawischnig ein besseres, „grüneres“ und nachhaltigeres Image aufzubauen. Ob das Engagement auch eine bessere Zusammenarbeit von Politik und Glücksspielkonzern ermöglicht, wird sich zeigen. Novomatic ist indes auf dem Wiener Markt wieder auf dem Vormarsch. Nachdem im Bereich der Glücksspielautomaten in letzter Zeit Rückzug angeordnet wurde, geht das Unternehmen neue Wege.

Novomatic ist Teilhaber der teilstaatlichen Casinos Austria, die über eine eigene Automatenlizenz für Österreich verfügen und ihre Automaten deshalb auch gegen individuelle Verbote von Bundesländern aufstellen können. Bereits im Februar wurden 50 Automaten in der Admiral-Halle im Wiener Prater installiert. Bis Mitte des Jahres sollen 50 weitere im Böhmischen Prater folgen und bis Jahresende soll der Bestand durch ebenfalls 50 Automaten im großen Prater auf insgesamt 150 Glücksspielautomaten erhöht werden.

Eigentlich bestand zwischen den Glücksspielanbietern eine Übereinkunft aus dem Jahr 2011, nach der neue Geräte nur in Abstimmung mit der Stadt aufgestellt werden. Nach den nun beschlossenen 150 neuen Automaten sollen aber weitere Installationen nur nach Rücksprache mit der Stadträtin Sima durchgeführt werden. Es wird sich zeigen, ob und wann der Streit zwischen Wien und Novomatic in die nächste Runde geht. In der Glücksspielbranche brodelt es auch hierzulande kräftig.