Nico Hofmann: Der Mann für die XXL-Filme

Nico Hofmann: Der Mann für die XXL-Filme

Nico Hofmann ist Deutschlands erfolgreichster TV-Produzent und bereitet das Programm von morgen vor.

Berlin. Er ist der Mann, der bestimmt, was Millionen Deutsche im Fernsehen schauen. Doch wenn sich Nico Hofmann selber vor den Bildschirm setzt, ist er nicht sonderlich wählerisch: "Ich schaue querbeet", sagt der Produzent, der mit Filmen wie "Dresden", "Der Tunnel" oder "Die Flucht" seit Jahren das TV-Programm prägt.

Nach Feierabend, so gegen 23Uhr, sieht er Nachrichten und Dokumentationen genauso wie die Dokusoap "Bauer sucht Frau". Neulich verfolgte er gar eine komplette Staffel der Realitysoap "Big Brother" - aus professionellem Interesse. "Ich wollte schauen, welche Männertypen gerade gefragt sind", sagt der Wahlberliner, der mit seiner Firma Teamworx als Deutschlands erfolgreichster Fernsehproduzent gilt und am Freitag 50 Jahre alt wird.

Für ihn ein Anlass nach vorn zu blicken: Für die Programmzukunft seien die Themen Mauerfall und Zweiter Weltkrieg allmählich passé, glaubt er. "Wir werden sehr viele Filme haben, die sich viel provokanter gesellschaftsrelevanten Themen stellen."

Hofmann prognostiziert das Comeback zugespitzter Was-wäre-wenn-Stoffe wie "Smog" oder "Das Millionenspiel" aus den 70ern. Es werde um den Militäreinsatz in Afghanistan gehen, Spannungen zwischen Arm und Reich oder die Frage, ob Ost und West doch noch zusammenwachsen.

Man müsse diese Stoffe aber in anschauliche Geschichten verpacken, denn: "Es ist unheimlich schwer, Menschen für Filme zu begeistern, die politische Inhalte transportieren", sagt Hofmann, dessen ZDF-Film über Helmut Kohl ("Der Mann aus der Pfalz") kürzlich beim ZDF-Publikum gnadenlos durchfiel.

Solch seltene Flops analysiert der Erfolgsproduzent akribisch, schließlich muss er wissen, was die Leute interessiert. Das ist nicht immer leicht: "Die Zeit ist dermaßen schnelllebig, gerade im Fernsehbereich", stöhnt der lässig, aber teuer gekleidete Hofmann, der sich in sein er Firma bewusst mit jungen Leuten umgibt, die ihm sagen, was gerade im Trend ist.

Zunächst drehte er als Regisseur vielbeachtete Filme wie "Der Sandmann" oder "Solo für Klarinette", lernte Produzenten wie Bernd Eichinger kennen und gründete 1998 die Produktionsfirma Teamworx, eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Ufa. Dank aufwändiger und mit Stars wie Maria Furtwängler oder Veronica Ferres gespickter Filme mischte die Firma den deutschen Fernsehmarkt von Anfang an auf. Sie liefert Popcornunterhaltung wie den RTL-Zweiteiler "Der Vulkan", aber auch Komplexeres wie das ARD-Drama "Mogadischu".

Viele Ideen kommen Hofmann bei der Zeitungslektüre. "Ich hätte eine riesige Lust, die Geschichte von Robert Enke und seiner Frau Teresa zu erzählen - unter dem Aspekt, wie man in so einer engen Familienbindung mit dem Thema Depressionen umgeht." Er möchte auch das Schicksal des Entführungsopfers Natascha Kampusch aufgreifen, er verfilmt Uwe Tellkamps Bestseller "Der Turm", hat einen Film über Scientology abgedreht, bastelt am Katastrophendrama "Hindenburg" - kleine Brötchen backen ist nicht sein Ding.

Eigentlich seltsam, dass in der Öffentlichkeit so gut wie nichts über das Privatleben des einflussreichen TV-Machers bekannt ist. Hofmann findet das nicht verwunderlich: Er habe schlichtweg keines, weil er so viel arbeite. Zum 50. Geburtstag habe er aber beschlossen, etwas kürzer zu treten: "Ich merke einfach die körperliche Belastung schneller, obwohl ich mich fit halte. Ich überlege mir mittlerweile hundertmal, ob ich ins Flugzeug steige."

Künftig will er sich lieber auf ausgewählte Projekte konzentrieren und mehr fürs Kino arbeiten. Ob das mit dem Kürzertreten klappt, ist aber eine andere Frage - nicht umsonst sagt der Mann für die XXL-Unterhaltung: "Ich bin ein Mensch, der gerne viel bewegt."

Mehr von Westdeutsche Zeitung