„Nicht unsere Geschichte“

„Nicht unsere Geschichte“

Die deutsche Produktion „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist jetzt auch in Israel und den USA zu sehen. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

Jerusalem/New York. Millionen deutscher Fernsehzuschauer verfolgten vor einem Jahr das Kriegsdrama „Unsere Mütter, unsere Väter“. Die ZDF-Produktion löste viele Diskussionen aus und wurde in mehr als 80 Länder verkauft. Jetzt ist sie auch in den israelischen Kinos zu sehen. Als die Cinematheque Jerusalem jetzt den Dreiteiler zeigt, die dort „Generation War“ heißt, ist die Vorstellung ausverkauft. Die meisten Zuschauer sind älter. Sie gehören also ungefähr zur Generation der Film-Protagonisten.

„Es ist der deutsche Blick auf den Zweiten Weltkrieg, der den Film so interessant macht, das sind wir in Israel nicht gewöhnt“, sagt Claude Klein (74). „Dass er alle Verbrechen der Deutschen gezeigt und nichts beschönigt hat.“ Klein ist während des Holocaust mit seinen Eltern von Frankreich in die Schweiz geflohen. Seine Erfahrung veranlasst ihn, sich immer wieder mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen — auch im Kino.

Das Ehepaar Ilana und David Sofer, beide 70, findet kritische Worte. „Der Film ist gut gemacht, aber es fällt uns schwer, mit den Deutschen zu fühlen, das ist nicht unsere Geschichte“, sagt Ilana. David meint: „Wie die Freundschaft zwischen dem Juden Viktor und seinen Freunden dargestellt wird, ist nicht realistisch.“ Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden, so das Ehepaar, waren 1941 nicht mehr möglich.

Die 34-jährige Anya Zhuravel sieht das anders: „Die Handlung ist komplex und zeigt das moralische Dilemma, in dem normale Leute in Kriegszeiten stecken. Aber mir gefällt nicht, dass die Juden im Film als passive Charaktere dargestellt werden.“

In Deutschland waren die Kritiken eher positiv. Nicht so in den USA. Dort kann man das Echo auf „Generation War“ höchstens als gemischt bezeichnen. „The New Yorker“ schrieb, die Produktion sei „vielleicht hölzern, aber nie langweilig. Einmal angefangen, kann man nicht aufhören“.

Doch die „New York Times“, auch mit der Geschichte des eigenen Landes stets kritisch, überschrieb ihren Artikel mit „Geschichtsstunde, retuschiert“: Der Film „stellt zumindest zum Teil wieder die Auffassung her, dass die einfachen Deutschen von den Nazis verführt wurden und keine Ahnung von ihren Verbrechen hatten.“

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