Nach dem Rekordwinter: Slalom auf der Schlaglochpiste

Nach dem Rekordwinter: Slalom auf der Schlaglochpiste

Die Kommunen haben kein Geld für die Reparatur ihrer Straßen. Die Grundsanierung kostet 25 Milliarden Euro.

Düsseldorf. Mit einsetzendem Tauwetter werden die Folgen des Rekord-Winters deutlich: Schlaglöcher, Risse und Frostschäden zwingen die Autofahrer zur Slalomfahrt. Bisweilen geht gar nichts mehr: So muss die A 7 zwischen Nörten-Hardenberg und Northeim-West in Niedersachsen am Dienstag gesperrt werden, um Löcher und Risse zu stopfen.

Unterdessen geraten die Kommunen ins Schleudern. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) sowie der ADAC gehen davon aus, dass frostbedingt jede zweite kommunale Straße im Frühjahr mit Schlaglöchern übersät sein wird. Um sie umfassend auszubessern, seien eigentlich bis zu zehn Milliarden Euro nötig.

Schon der vergangene Winter habe Straßenschäden von 3,5 Milliarden Euro verursacht. „Die sind natürlich nicht alle beseitigt, die sind ein bisschen geflickt“, so DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Eine Grundsanierung — 25 Milliarden teuer — , wie sie eigentlich erforderlich sei, habe es nicht gegeben, weil Städte und Gemeinden das finanziell nicht leisten könnten.

Auch mehr als 30 Prozent aller Bundesstraßen sind nach ADAC-Angaben wegen der Löcher und Flickstellen nur eingeschränkt oder nicht mehr voll gebrauchsfähig oder müssten dringend saniert werden. Oft versuchten Bund, Länder und Gemeinden nur noch mit Hilfe einer flächendeckenden Beschilderung wie „Achtung Straßenschäden“ oder Tempolimits ihren Verkehrssicherungspflichten nachzukommen.

Die Chancen, Regressansprüche bei Schäden etwa an Stoßdämpfern oder der Radaufhängung vor Gericht durchzusetzen, sind nicht besonders hoch. Meist befinden die Richter, die Fahrer hätten angesichts der Warnschilder vorsichtiger fahren müssen.

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