Nach Anti-AfD Plakat: immer mehr Fake-Werbungen im Umlauf

Plakat-Aktion : Das steckt hinter den Fake-Werbungen gegen die AfD

Coca Cola, Mc Donald’s, jetzt Früh Kölsch: Es tauchen immer mehr Anti-AfD-Werbeplakate im Netz auf, die angeblich von großen Firmen stammen. Es sind Fälschungen - und sie hängen zusammen. Das steckt dahinter.

Aus einem anfänglichen Spaß scheint in den letzten Tagen ein regelrechter Trend entstanden zu sein. Immer mehr angebliche Werbungen großer Unternehmen sind in Umlauf, die politische Botschaften verbreiten. Oft wird mit Wortspielen - passend zur jeweiligen Marke - für Toleranz, gegen Ausgrenzung und gezielt gegen die AfD geworben. Zuletzt sorgten Plakate von Coca-Cola, Pepsi oder McDonalds für Wirbel – nach kurzer Zeit stellte sich aber heraus: Nicht die Konzerne stecken hinter den Slogans. Es geht um eine größere, politisch motivierte Aktion.

Das erste Plakat dieser Art war am Montag gegenüber der AfD-Zentrale in Berlin zu sehen. Abgebildet war der Coca-Cola-Weihnachtsmann, das Logo des Getränkeherstellers und dazu in großen Buchstaben der Spruch: „Für eine besinnliche Zeit: Sag‘ Nein zur AfD!“ Es dauerte nicht lange und eine weitere Werbung machte die Runde, diesmal von dem Softgetränkehersteller Pepsi. Es schein sich zunächst um eine Art Antwort auf die Coca-Cola Aktion zu handeln - denn Motiv und Slogan waren nahezu identisch. Passend zur Marke ist der angebliche Pepsi-Weihnachtsmann hier in blau gekleidet und der Satz ist leicht abgewandelt: „Für eine besinnliche Zeit: Sag ja zur AfD!“, heißt es. Huch!

Wer steckt hinter den Plakaten?

Der offensichtliche Schlagabtausch blieb nicht unbemerkt. Es schwappte eine Welle der Empörung durch die sozialen Netzwerke. Schnell kam die Frage der Echtheit auf. Der AfD-Politiker Dr. Maximilian Koch wollte es schließlich wissen und fragte Coca-Cola auf Twitter: „Ist das echt? Falls nein: Was tun Sie dagegen? Falls ja: Wie begründen Sie eine derartige politische Stellungnahme?“

Nein, das Anti-AfD-Plakat sei nicht echt, bestätigte Coca-Cola Deutschland gegenüber dem Portal bento, aber die Aktion scheint dem Unternehmen nicht unsympathisch zu sein. Patrick Kammerer, deutscher Kommunikationsdirektor des Konzerns, schreibt auf Twitter: „Nicht jedes Fake muss falsch sein“ - und teilt das gefälschte Coca-Cola-Anti-AfD-Plakat weiter.

Auch die Getränkemarke Pepsi steckt nicht hinter der Konte-Aktion - und ist dazu noch wenig erfreut von der Aussage des Plakats. In diesem Fall werden sogar rechtliche Schritte gegen den Urheber eingeleitet. Klar und deutlich schreibt das Unternehmen in den sozialen Netzwerken: „Das Plakat auf diesem Bild stammt definitiv nicht von Pepsi. Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser parteipolitischen Vereinnahmung der Marke Pepsi.“

Immer mehr Fake-Plakate tauchen auf

Dieses kleine Duell scheint die Kreativität Einzelner geweckt zu haben. Immer mehr Fake-Plakate kursieren im Netz. Auf einer Anzeige scheint McDonalds sich gegen Fremdenhass und Ausgrenzung stark zu machen und die Kölner Brauerei früh wird mit dem Foto eines angeblichen Plakats mit dem Spruch: „Alles andere sind braune Flaschen. Sag‘ Nein zur AfD!“ zum Gegner der rechten Partei stilisiert. Auch der Brotaufstrich Nutella wird Teil der Aktion mit der Fake-Werbung: “Lieber braun aufs Brot als braun im Kopf!“.

Diese falschen Werbungen sind meist täuschend echt und erst durch den Trubel im Netz kommt heraus, wer wirklich hinter den politischen Statements steckt: Urheber der Plakat-Aktion ist die Internetseite #AfDentskalender. Dort gibt es jeden Tag ein neues Meme oder eine kleine Aktion, mit der ein Zeichen gegen die Alternative für Deutschland gesetzt werden soll. Hinter den Kalender-Türchen verbergen sich Anregungen, wie man in der Öffentlichkeit Widerstand gegen den Rechtsruck in Deutschland leisten kann. Jeder kann Teil des Projekts werden und seine „möglichst legalen“ Aktionen, wie es auf der Seite heißt, in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #AfDventskalender teilen. So hat es beispielsweise das Coca-Cola Plakat hinter das Türchen Nummer 4 geschafft.

Hinter der vermeintlichen früh-Werbung stecken die Facebook-Portale „Bunt in der Südstadt“ und „Südstadtkneipen“, berichtet der Kölner Stadtanzeiger. Auch hier ließ eine Reaktion der Brauerei nicht lange auf sich warten. „Nach dem Photoshoppen jetzt Früh shoppen!“, schreibt Früh Kölsch mit Zwinkersmiley unter den Facebook-Post.

Auf WZ-Nachfrage erfahren wir, wer die Macher des #AfDentskalenders sind. Die Aktion ist ein Projekt der Gruppe MODUS. Man wolle mit der Präsenz in den sozialen Medien dem gefühlten Ungleichgewicht etwas entgegensetzen, heißt es in dem offiziellen Statement der Gruppe. Außerdem soll der Adventskalender nur ein Anfang sein, es folgen also weitere Ideen und Konzepte der Gruppe MODUS. „Seid gespannt“, heißt es vielversprechend am Ende der Stellungnahme.

(paho)
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