Muslimische Verbände verurteilen Anschlag - Mahnwachen geplant

Muslimische Verbände verurteilen Anschlag - Mahnwachen geplant

Das Attentat von Paris darf die Gesellschaft nicht spalten, warnen die muslimischen Verbände. Sie wollen für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland auf die Straße gehen.

Köln (dpa). Die muslimischen Verbände in Deutschland haben das Attentat auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ scharf verurteilt und vor einer gesellschaftlichen Spaltung gewarnt. Der terroristische Akt könne nicht mit dem Islam oder Religiosität begründet werden, sagte der Generalsekretär des Dachverbandes Ditib (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion), Bekir Alboga, am Freitag in Köln. Menschen, egal welchen Glaubens, dürften „nach solch bestialischem Terror nicht unter Generalverdacht stehen“.

Der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya, mahnte: „Das Attentat darf nicht von Erfolg gekrönt werden, indem es die Gesellschaft spaltet.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rief für Montag zu Mahnwachen gegen Gewalt und für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland auf. Mit anderen islamischen Religionsgemeinschaften sei eine solche Veranstaltung am Brandenburger Tor in Berlin geplant, teilte der ZMD in Köln mit.

Der DuMont Buchverlag will die deutsche Ausgabe von Michel Houellebecqs islamkritischem Roman „Unterwerfung“ wie geplant am 16. Januar veröffentlichen. „Wir werden den Verkaufsstart nicht aufgrund von Sicherheitsbedenken verschieben“, sagte eine Sprecherin. „Wir würden die Veröffentlichung gern vorziehen, aber das ist technisch nicht möglich.“. Die Erstauflage erscheine mit 100 000 Exemplaren, ein Nachdruck sei schon geplant.

Houellebecq beschreibt in dem Roman das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. Der Verlag stehe im Kontakt mit dem Schriftsteller. „Nach jetzigem Stand wird auch die Lesung mit Houellebecq am 19. Januar in Köln stattfinden“, sagte die Sprecherin. Houellebecq will seinen Roman in Frankreich vorläufig nicht mehr bewerben.

Die Polizei prüft unterdessen, ob Redaktionen nordrhein-westfälische Medien nach dem Anschlag in Paris gefährdet sein könnten. Die örtliche Polizei analysiere die Situation, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums. Die Anweisung zu dieser Gefährdungsanalyse der Medien geht auf einen neuen Erlass des NRW-Innenministeriums zurück. Alle Medien würden aber nicht kontaktiert, sagte der Sprecher. Im Fokus stünden vor allem diejenigen, die etwa religionskritische Karikaturen veröffentlichen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung