Mobbing - Worauf Eltern achten müssen

Interview : Mobbing - Worauf Eltern achten müssen

Carsten Stahl ist Schauspieler, Buchautor und - Mobbingopfer. Im Kurzinterview spricht er über Mobbing und wie Eltern erkennen, dass ihr Kind betroffen ist.

Herr Stahl, gibt es das klassische Mobbing-Opfer?

Stahl: Nein. Es kann jeden treffen. In Deutschland gibt es Tausende Kinder, die täglich verängstigt in die Schule gehen. Die Angst davor haben, was ihnen in der Pause oder nach dem Unterricht passiert. Oder was in den Chats über sie ausgeschüttet wird. Ich habe bisher über 41 000 Schüler in Seminaren gegen Mobbing unterrichtet, ich war in über 150 Schulen, ich kann Ihnen sagen, es zieht sich durch alle Schulformen.

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind betroffen ist?

Stahl: Achtet auf die Signale. Kleine Kinder nässen sich plötzlich wieder ein, haben Schlafstörungen oder wollen auf einmal nachts zurück ins Bett der Eltern. Ganz starke Signale sind auch, wenn Noten schnell rapide abfallen, Kinder nicht mehr richtig essen oder sich völlig zurückziehen. Mobbing ist mit Scham behaftet. Täter drohen oft, wenn du was sagst, wird es noch schlimmer. Eltern müssen sich also unbedingt Zeit nehmen, mit ihren Kindern zu sprechen, auch wenn sie noch so eingebunden sind.

Was ist dann zu tun, wenn das eigene Kind gemobbt wird?

Stahl: Ganz wichtig: Man darf Mobbing nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mobbing kann (...) in Selbstmorden enden. Und es hat übrigens auch schon zu Amokläufen geführt. Ich rate Eltern: Lassen Sie sich nicht abwimmeln. Auch wenn Lehrer sagen, das ist nicht so schlimm, ihr Kind ist auch kein Engel. Bleiben Sie hartnäckig. Gehen Sie zum Direktor, gehen Sie zur Schulverwaltung. Fordern Sie Veränderung, Prävention, ein Projekt, das Kindern Auswege aufzeigt und Lehrern beibringt, Mobbing endlich besser zu erkennen.

Welchen Rat haben Sie für einen direkt Betroffenen?

Stahl: Auch wenn man Angst hat, man muss dem Täter sagen: Hör auf. Ich weiß, wie schwierig das ist. Deswegen muss man sich Verbündete suchen. Erzähle es Mitschülern, dem Klassenlehrer, den Eltern, lass dir nicht drohen. Wenn du denkst, es hört irgendwann auf, dann sag ich dir: Es hört nicht auf, es wird immer schlimmer. Mach nicht den Fehler, den ich damals gemacht habe, es zu verschweigen. Sonst endet es darin, dass du dich selbst aufgibst.

Mehr von Westdeutsche Zeitung