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Michael Degen wird 80: Er war jung und brauchte das Geld

Michael Degen wird 80: Er war jung und brauchte das Geld

Das Fernsehen hat Michael Degen bekannt gemacht — doch viele Rollen waren für den Schauspieler nur zweite Wahl.

Hamburg. Es passt zu Michael Degen, dass er keinen Wirbel um seinen 80. möchte. Der Schauspieler, dessen Gesicht TV-Zuschauern wie Theatergängern seit Jahrzehnten vertraut ist, kann sich vor Interviewanfragen rund um seinen Geburtstag kaum retten. Doch der Charakterdarsteller, der sich selbst zurückhaltend und schüchtern nennt, will keinen Trubel.

Älter zu werden und gesund zu bleiben betrachte er als Geschenk, nicht als Verdienst, lässt er bescheiden mitteilen. Wahrlich gibt es bei dem bei Hamburg lebenden Schauspieler selbst mit 80 Jahren noch genug aktuelle Projekte — er muss sich nicht in Erinnerung bringen.

Wenige Tage vor und nach seinem Geburtstag steht Degen in Berlin auf der Bühne des Schlosspark Theaters. In Dieter Hallervordens Haus spielt er im Stück „Besuch bei Mr. Green“ die Titelrolle. In der Hauptstadt ist er auch mit dem Berliner Ensemble für ein Projekt im Gespräch. Der Bühne galt schon immer seine wahre Liebe. „Ohne Theater kann ich nicht sein“, betont er. Vor allem die Darstellung zwiespältiger Charaktere schätzt Degen, der im Herbst in Wien in der Uraufführung eines Stücks von Daniel Kehlmann die Titelrolle übernehmen will.

Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) und Degen verbindet eine große Sympathie. Als der 37-jährige Autor bei den Salzburger Festspielen das Regietheater geißelte, fand Degen das großartig. „Dass der Junge diesen Mut gehabt hat“, lobte er. Kehlmann seinerseits erinnert sich an Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“: „Die Aufführung 1988 mit Michael Degen war eines meiner großen frühen Theatererlebnisse“, sagte er.

Der als präzise und ausdrucksstark im Spiel gewürdigte und mit Preisen bedachte Degen war einst von Bert Brecht ans Berliner Ensemble geholt worden und spielte später unter Ingmar Bergman, Peter Zadek oder George Tabori. „Was mich immer wieder reizen würde, ist Shakespeare. Bei ihm tritt in jeder kleinsten Figur so markant und plastisch der Mensch hervor. Er ist immer wieder Vorbild“, schwärmte Degen mal und betonte: „Wenn ein Text langweilt, ist die Arbeit eine Tortur.“

Doch gerade im TV gab es einige Rollen, die er „unter keinen Umständen“ mehr annehmen würde. „Die habe ich nur gespielt, weil ich das Geld brauchte“, betonte der vierfache Vater, der in dritter Ehe mit der Journalistin Susanne Sturm verheiratet ist. „Wenn ich meinen Spaß daran habe, dann mag ich auch die Arbeit fürs Fernsehen.“

Vor der Kamera will Degen dennoch in diesem Jahr wieder stehen — für neue Folgen der Donna-Leon-Reihe, in denen er in Venedig als Vorgesetzter des Commissario Brunetti zu sehen ist.