1. Panorama

„Mein Leben im Blechkasten“

„Mein Leben im Blechkasten“

Brummifahrer Jochen Dieckmann hat über 24-Stunden-Schichten und korrupte Grenzer ein Buch geschrieben.

Wuppertal. Nur zehn Stunden Schlaf pro Woche, 24-Stunden-Dienste und 338 Tage im Jahr in einem „Blechkasten“ leben — diese Realität ist Jochen Dieckmann nur allzu gut bekannt. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er Lkw-Fahrer. „Manchmal fühlt man sich wie Luft, wenn man Ware abliefert und nicht einmal begrüßt wird“, erzählt er. In 30 Jahren als Fernfahrer hat er viel von der Welt gesehen, aber vor allem den harten Arbeitsalltag erlebt.

„Früher habe ich mir keine Gedanken gemacht über Ruhezeiten und richtig gesicherte Ladung“, erzählt der 51-Jährige rückblickend. Doch aus seinen Erfahrungen hat er Konsequenzen gezogen: In einem Buch erzählt der Wuppertaler von seinen Trucker-Jahren.

Es liegt nicht immer in den Händen der Fahrer, dass alles reibungslos läuft: „Anfang der 80er Jahre war Korruption auf den Autobahnen gang und gäbe. Grenzpolizisten in Frankreich haben einen kontrolliert und irgendetwas gefunden“, erinnert er sich.

Eine Tasse Kaffee wurde zur Währung für die Kontrolleure, die ansonsten eine Strafe und ein Verbot für die Weiterfahrt ausgesprochen hätten. „So eine Tasse Kaffee hat dann schonmal zwischen 50 und 150 Franc gekostet“, erzählt der Fernfahrer von dem Bestechungsgeld. Ähnlich lief es damals im Ostblock oder der Türkei. „Ich habe vom Chef für jede Türkei-Tour 50 und für Rumänien 40 Mark bekommen. Aber damit kam ich oft gar nicht aus und musste aus eigener Tasche Bestechungsgeld zahlen.“

Ein anderes Mal wurde Dieckmann aufgefordert, bei einem Bekleidungsgeschäft in Mönchengladbach kiloschwere Ware selbst abzuladen, „dabei wurde ich für diese Arbeit gar nicht bezahlt“.

Zwischen den Jahren als Kraftfahrer arbeitete Dieckmann unter anderem als Radiojournalist und Pressesprecher im Landtag. „Meine Devise lautete, alle fünf Jahre einen neuen Job“, sagt er lachend. Tatsächlich war es der hartnäckige Versuch aus der Kraftfahrer-Branche auszusteigen. Ganz weg vom Lkw kam er nie. „2006 wurde ich erneut arbeitslos und stieg wieder hinter das Lenkrad, obwohl ich das nie wieder wollte.“ Heute macht er eine Ausbildung zum Lkw-Fahrlehrer, „um den jungen Menschen zu vermitteln, wie sie was besser machen können“.

Die fehlende Anerkennung seines Berufs ärgert Dieckmann besonders. „Jeder schimpft über Brummis auf der Autobahn. Aber wie die Realität für Fahrer aussieht, interessiert niemanden, obwohl sie jeden etwas angeht — schließlich sorgen wir dafür, dass jeder sein Brot auf den Tisch bekommt.“