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Leben in Zeiten von Corona - Wie Deutschland auf das Virus reagiert

Epidemie : Leben in Zeiten von Corona - Wie Deutschland auf das Virus reagiert

Die Folgen der Coronavirus-Epidemie werden in Deutschland immer spürbarer. Behörden und Unternehmen reagieren teils drastisch. Ist das schon Panikmache oder noch maßvoller Umgang?

Schulschließungen, mögliche Geisterspiele beim Fußball und Homeoffice: Die Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie betreffen hierzulande immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens. Wie reagieren die Behörden und welche Maßnahmen sind noch zu erwarten?

GROSSVERANSTALTUNGEN:

Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sollten abgesagt werden, so zumindest die Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Damit rücken auch Geisterspiele und Spielabsagen in den Fußball-Bundesligen und Europapokal-Wettbewerben immer näher. Das Champions-League-Spiel am Mittwoch von Borussia Dortmund bei Paris Saint-Germain findet bereits vor leeren Rängen statt. Das ursprünglich für den 19. März angesetzte Europa-League-Spiel zwischen dem FC Basel und Eintracht Frankfurt kann wegen des Virus nicht wie geplant in Basel stattfinden. Ein neuer Ort war zunächst noch nicht bekannt.

In Deutschland müssen derartige Entscheidungen die lokalen Gesundheitsbehörden treffen. Etliche größere Messen wie etwa die Tourismusbörse ITB in Berlin oder die Hannover Messe wurden bereits abgesagt oder verschoben. Auch die Absage von Konzerten steht im Raum. Die konkrete Zahl von 1000 Teilnehmern sieht der Chef des Weltärztebundes indes kritisch. „Ich bin auch persönlich eher bei 100 oder 200“, sagte Frank Ulrich Montgomery am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“.

ARBEITSWELT:

Aus Sorge vor dem Coronavirus schicken einige Arbeitgeber in Deutschland ihre Mitarbeiter zumindest vorübergehend nach Hause. Der Softwarekonzern SAP hat etwa nach Coronavirus-Infektionen bei drei Mitarbeitern seinen Standort im saarländischen St. Ingbert mit 800 Mitarbeitern am Montag bis auf Weiteres geschlossen. Testweise hat auch die Europäische Zentralbank in Frankfurt ihre Belegschaft ins Homeoffice geschickt. Die Regierungsparteien haben sich derweil auf ein umfangreiches Paket zur Abfederung von wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise geeinigt. Dazu sollen unter anderem die Hürden für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich gesenkt werden.

SCHULEN:

Pauschale Schulschließungen wie etwa in Italien sind in Deutschland weiterhin nicht absehbar. Aber: Im Zuge der Epidemie bleiben auch hierzulande Bildungsstätten zeitweise geschlossen - Dutzende sind es derzeit bundesweit. In Deutschland gilt zumeist: Sobald es einen bestätigten Fall in einer Bildungseinrichtung gibt, wird diese vorübergehend geschlossen.

HAMSTERKÄUFE:

Die Bilder leerer Supermarkt-Regale gehen durchs Netz. Von Lebensmittelknappheit kann laut Experten allerdings keine Rede sein. „Die gibt es aber de facto nicht“, sagt etwa Michael Willms, zuständig für Bevölkerungsschutz im baden-württembergischen Innenministerium. Das Bundesamt für Katastrophenschutz sieht die Käufe sogar positiv. Dass sich Menschen mit Lebensmitteln bevorrateten, empfehle das Bundesamt seit 40 Jahren, hieß es. Lagern sollte man allerdings nur das, was man auch normalerweise nutze.

GESUNDHEITSSYSTEM:

Verlangsamen ist das Gebot der Stunde: „Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen“, so Minister Spahn. Aktuell sieht der Chef des Weltärztebundes Deutschland auch gut aufgestellt, um mit dem Virus fertig zu werden. „Unser Gesundheitswesen, unsere Prävention, unsere Erkennung dieser Maßnahmen funktioniert. Das deutsche Gesundheitswesen ist hervorragend ausgerichtet“, sagte der Verbandschef. „Wir kriegen das hin!“

REISEN:

Einige Länder haben Sonderregelungen für Reisende erlassen - auch für Deutsche. Bhutan hat allen ausländischen Touristen vorerst die Einreise untersagt. Für die gesamte Lombardei sowie verschiedene weitere Provinzen in Norditalien gilt ein allgemeines Ein- und Ausreiseverbot, zunächst bis zum 3. April. Der Iran und Israel haben diverse Reisebeschränkungen erlassen. In mehreren Ländern, darunter in Russland sollten Reisende zwei Wochen in der Wohnung oder im Hotel bleiben.

BETROFFENE GEBIETE:

Am stärksten in Deutschland vom Coronavirus betroffen ist weiterhin Nordrhein-Westfalen. Dort sind bereits zwei Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, gestorben. Nach Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der bestätigten Infektionen am Montag (Stand 16.15 Uhr) auf 524, darunter 292 im Kreis Heinsberg. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Montagmorgen gab es bundesweit 1112 Fälle. Außer in Sachsen-Anhalt wurden mittlerweile aus allen Bundesländern Infektionen mit Sars-CoV-2 gemeldet.

(dpa)