Kurden demonstrieren in Köln

Kurden demonstrieren in Köln

Voraussichtlich heute gehen rund 20 000 Protestanten gegen die türkische Militäroffensive auf die Straße. Polizei warnt vor Gewalt.

Köln. Die Polizei erwartet am heutigen Samstag in Köln mindestens 20 000 kurdische Demonstranten zu Protesten gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien. Man rüste sich für einen Großeinsatz und habe zusätzlich zu den zunächst rund 1500 eingeplanten Polizeibeamten weitere Einsatzkräfte nachgefordert, sagte ein Polizeisprecher. Der kurdische Dachverband Nav-Dem habe für heute Morgen eine Kundgebung in der Nähe des Hauptbahnhofs angemeldet und wolle dann durch die Innenstadt ziehen.

Der genaue Ablauf der Kundgebung ist laut Polizei noch unklar. Die linksautonome Szene habe bundesweit zur Teilnahme aufgerufen. Außerdem mobilisiere die gewaltbereite kurdische Apoistische Jugend für Köln. Nav-Dem (Demokratisches Gesellschaftzentrum der Kurden in Deutschland) ist laut Bundesverfassungsschutz eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, deren Anführer Abdullah Öcalan in der Türkei inhaftiert ist.

Der Polizeisprecher sagte, man halte Wasserwerfer bereit und schreite auch ein, wenn verbotenerweise PKK-Fahnen oder Öcalan-Bilder gezeigt würden. Im September 2017 hatte Nav-Dem in Köln mit Tausenden Teilnehmern ein Kurden-Festival veranstaltet, bei dem Öcalan-Fahnen zu sehen waren. Das hatte für große Verärgerung in Ankara gesorgt.

Laut Kölner Polizei liegt der Platz der Startkundgebung ausgerechnet in einem Viertel, in dem viele türkischstämmige Menschen leben. In den vergangenen Tagen sei es an einigen Orten in Deutschland zu Rangeleien zwischen Kurden und pro-türkischen Gruppen gekommen. Auch in Köln müsse mit einer „hochemotionalisierten Stimmung und Provokationen“ gerechnet werden. Zudem erwarte man zum Spiel des 1. FC Köln gegen Augsburg viele Fußballfans, die ebenfalls im Blick zu halten seien. Die Polizei und die Stadt kündigten Absperrungen und Verkehrsbeeinträchtigungen an.

Laut NRW-Innenministerium hat es seit Beginn der türkischen Militäraktion in Syrien bundesweit zahlreiche Demonstrationen von Kurden in mehreren Städten gegeben. Bisher sei es überwiegend friedlich geblieben. Für heute hätten Kurden auch etwa für Bonn oder Essen Veranstaltungen angemeldet. Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) — sie steht der Regierungspartei AKP in Ankara nahe — will hingegen in Bonn für die Militäroperation „aufgrund des Rechts auf Selbstverteidigung“ werben.

Nav-Dem sieht im Vorgehen gegen die Kurdenmiliz YPG in der kurdischen Enklave Afrin einen „Völkerrechtsbruch“. Die türkischen Streitkräfte sollen auch aus deutscher Produktion stammende Kampfpanzer einsetzen. Die Bundesregierung hatte sich am Donnerstag besorgt über den militärischen Konflikt geäußert. Die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG sind mit den USA verbündet. Die Türkei sieht die YPG als syrischen Ableger der PKK und damit als Terrororganisation. lnw

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