Kontroverse vor Eröffnung von 9/11-Museum in New York

Kontroverse vor Eröffnung von 9/11-Museum in New York

Kurz vor der Eröffnung des 9/11-Gedenkmuseums kocht in New York der Streit. Manche Opferangehörige der Terroranschläge vom 11. September 2001 sind trotz jahrelanger Planung genauso unzufrieden wie Vertreter der Muslime.

New York (dpa). Kurz vor der Eröffnung des 9/11-Gedenkmuseums kocht in New York der Streit über. Manche Opferangehörige der Terroranschläge vom 11. September 2001 sind trotz jahrelanger Planung genauso unzufrieden wie Vertreter der Muslime.

Muslimische Geistliche kritisieren, dass ein Dokumentarfilm im Museum gezeigt werden soll, der „anstößigerweise“ Verbindungen zwischen dem Islam und Terrorismus zieht. Ein weiterer Streitpunkt ist, dass nicht identifizierte Überreste von Opfern im Museum aufbewahrt werden sollen. Ein Museum sei kein Friedhof, argumentieren Angehörige.

US-Präsident Barack Obama soll am Donnerstag an der offiziellen Einweihungsfeier des „National September 11 Memorial Museums“ teilnehmen. Danach ist das Museum etwa eine Woche nur für Familien der Opfer, Überlebende, Helfer und Anwohner der zerstörten Twin Towers des World Trade Centers in Manhattan geöffnet. Erst ab 21. Mai ist das Museum für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Der siebenminütige Dokumentarfilm „The Rise of al-Qaeda“ (Deutsch: „Der Aufstieg Al-Kaidas“) beschreibt die Jahre vor den Anschlägen in New York und Washington und verwendet Berichten zufolge Begriffe wie „islamischer Extremismus“ und „Dschihadismus“. Der Rat für amerikanisch-muslimische Beziehungen (CAIR) rief zur Entfernung dieser „anti-Islamischen Terminologie“: „Diese Begriffe, vor allem verallgemeinernd, wie sie der Film verwendet, verbinden Islam und Terrorismus und riskieren, dass Museumsbesucher falsch informiert werden, vor allem jene, die nicht mit dem Islam vertraut sind.“

„Die Folgen dieses Filmes werden nicht nur die Muslime jetzt zu spüren bekommen, sondern auch unsere Kinder noch in Generationen“, warnte Aisha Al-Adawiya von der Organisation „Women in Islam“ (Deutsch: Frauen im Islam) bei einer Protestveranstaltung am Mittwoch. Es sei die Verantwortung des Museums, „Missverständnisse und Propaganda, die zu Hass führen“ zu verhindern, sagte auch Donna Nevel von der Organisation „Jews Against Islamophobia“ (Deutsch: Juden gegen Islamhass). „Das 9/11-Museum hat die Aufgabe und die Pflicht Amerika und der Welt gegenüber, transparent zu sein“, wetterte auch der muslimische Kandidat für den Senat des Bundesstaats New York, Robert Jackson.

Auch Angehörige von Opfern haben sich dem Protest angeschlossen. Ihr Sohn, der Polizist Salman Hamdani, sei einer von 60 Muslimen gewesen, die bei den Terroranschlägen ihr Leben verloren hätten, sagte Talat Hamdani. „Das Museum soll doch für alle Opfer sein, ohne Vorurteile oder politische Agenda. Es darf nicht gespalten werden.“

Chloe Breyer, Chefin eines interreligiösen Zentrums in New York, hat auch schon einen Vorschlag für eine gütliche Einigung. Es sei doch „mehr als leicht“ das Video zu bearbeiten und für alle akzeptabel zu machen. „Wir haben schon so oft darum gebeten, dass einfach eine Mitteilung in den Film eingebaut wird, dass es in dem Film um die Geschichte von Al-Kaida geht und nicht um die Geschichte des Islam.“

Die Betreiber haben darauf bislang nicht reagiert. Sie hatten wiederholt versichert, dass in dem Film klar zwischen den Terroristen und anderen Muslimen unterschieden werde. Der Film wurde bislang nur ausgewählten Beratern gezeigt. Schon im vergangen Monat war ein islamischer Kleriker aus Protest von der Beraterkommission des Museums zurückgetreten.

Der Film sei kein Film über den Islam und verallgemeinere nicht Muslime als Terroristen, sagte Museumssprecher Michael Frazier der „New York Daily News“. Auf der Museumswebseite heißt es, „Islamistische Extremisten glauben, dass es akzeptabel sei, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen“. Weiters heißt es: „Einige Muslime glauben dies zwar, aber viele tun es nicht.“

Am Samstag protestierten Familien, als die Behörden Überreste von 1115 unidentifizierten Opfern vom Gerichtsmedizinischen Institut New Yorks in Räume im Untergeschoss des Museumsgebäudes brachten. Dies sei respektlos gegenüber den Opfern, sagen die Familien. Sie wollen einen würdigeren Ort. Die etwa 8000 Fragmente sollen nur für Hinterbliebene und Gerichtsmediziner zugänglich sein.

Andere Familien jedoch sind mit diesem Schritt einverstanden. Insgesamt starben bei den Anschlägen 2753 Menschen. „Ground Zero“ zieht jedes Jahr Millionen von Besuchern an.

Seit Baubeginn 2006 hatten die Planer des 700 Million Dollar (510 Millionen Euro) teuren Museums mit Problemen zu kämpfen. Jahrelang waren sich die Beteiligten uneins, ob auf der Fläche des zerstörten World Trade Centers auch kommerziell genutzte Gebäude erlaubt werden sollten. Etwa die Hälfte des mehr als 6 Hektar großen Areals ist für die Gedenkstätte reserviert, auf dem Rest wurden Bürogebäude und 1 WTC, der höchste Wolkenkratzer der westlichen Hemisphäre, gebaut. Ende 2017 soll alles fertiggestellt sein.

Mehr von Westdeutsche Zeitung