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Kontrollierter Einsturz des Einkaufszentrums?

Kontrollierter Einsturz des Einkaufszentrums?

Der Druck auf beschädigte Stützen nimmt „minütlich zu“.

Heerlen. „Es ist keine Frage von Wochen mehr, bis die Konstruktion nachgeben wird“, sagte Heerlens Bürgermeister Paul Depla in der Nacht zu Freitag über den aktuellen Zustand des vom Einsturz bedrohten Einkaufszentrums „t Loon“. Mittlerweile ist eine Notstandsverordnung in Kraft gesetzt, die niederländische 90 000 Einwohner-Stadt befindet sich im Ausnahmezustand. Seit Freitag wird auch ein kontrollierter Einsturz der beschädigten Gebäudeabschnitte erwogen.

Seit Dienstag hat sich die Lage in Heerlen zugespitzt. Es zeigen sich Risse in den Stützen, die das Gebäude über der Tiefgarage tragen. Der Druck auf die Stützen nehme minütlich zu, berichtet Depla. Der gesamte Komplex musste inzwischen geräumt werden. 18 Familien, die ein angrenzendes Hochhaus bewohnen, wurde bereits angeboten, sie in einem Hotel unterzubringen.

An einem weiteren großen Wohngebäude wurden inzwischen ebenfalls Risse festgestellt. Einige Straßen bleiben vorerst gesperrt, um im Notfall eine schnelle Anfahrt für Hilfsteams zu ermöglichen. Dennoch rechnen die Behörden nicht damit, dass der Komplex komplett einstürzt. Statiker hätten berechnet, dass die unabhängig voneinander errichteten Gebäudeteile einzeln stehenbleiben könnten, wenn der Hauptbau wegsackt. Es sei Glück im Unglück, dass das Gebäude 1965 erbaut wurde. Es sei stabiler als moderne Häuser. Damals habe man mehr „Sicherheitseisen“ verwendet, so Depla.

Was die Ursache für den drohenden Einsturz ist, darüber rätseln Experten noch. Ein Geologe hält es für möglich, dass der Boden unter dem Gelände „treibsandartige Qualität“ bekomme — er sei zumindest in stetiger Bewegung. In der Bevölkerung wird derweil spekuliert, ob ein Großbrand in den 1980er Jahren den Beton geschädigt hat, oder ob der drohende Einsturz mit alten Steinkohlstollen und möglichen Grundwasserabsenkungen in Zusammenhang steht. Die betroffenen Geschäftsleute beziffern den Schaden, der durch die Schließung ihrer Läden während des Vorweihnachtsgeschäfts entsteht, auf mehrere Millionen Euro.

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