Kölner Hohenzollernbrücke: Aufschrei in der Liebesschloss-Lobby

Kölner Hohenzollernbrücke: Aufschrei in der Liebesschloss-Lobby

Die Kölner Hohenzollernbrücke zählt zu den bekanntesten Liebesbrücken Deutschlands. Die Aufregung war groß, als es hieß, die Schlösser könnten entfernt werden.

Köln. Sie hängen an der Düsseldorfer Girardet-Brücke, der Millennium Bridge in London oder — bunt und flächendeckend — am Geländer der Kölner Hohenzollernbrücke: Jene Vorhängeschlösser, mit denen sich Verliebte auf der ganzen Welt Verbundenheit und Treue schwören.

Offenkundig versprechen die bunten Metallschlösser eine Art Voodoo-Funktion und damit lebenslange Liebe. Grundsätzliche Voraussetzung ist natürlich, dass man den Schlüssel im Rhein versenkt oder die Zahlenkombination des Schlosses vergisst. Die Hohenzollernbrücke mit ihrem Schlössermeer erzählt viele Geschichten und gehört mittlerweile für Köln-Touristen zum Pflichtprogramm. An Wochenenden muss man mitunter im Zickzackkurs über die Brücke, so viele Leute posieren für Selfies.

Happy End für die Schlösser der Liebe

Während das Romantik-Geschäft an der berühmten Pont Neuf noch bestens funktioniert, ließ Paris die Liebesschlösser an der Pont des Arts 2015 entfernen, nachdem Teile des Geländers dem Gewicht der eisernen Liebesschwüre nicht mehr standhielten.

Ein ähnliches Schicksal drohte jetzt der Kölner Brücke. Zumindest war der Aufschrei am Montag groß, als es hieß, dass die Schlösser entfernt werden könnten. Ein Bahnsprecher hatte zuvor erklärt, dass durch die Vibration der Züge auf der Brücke — eine der meistbefahrenen Eisenbahnbrücken Deutschlands — der Korrosionsschutz beschädigt werde. Das Metall der Schlösser reibe am Metall des Geländers. „Deswegen werden wir in den nächsten Jahren nach und nach den Korrosionsschutz neu auftragen müssen. Und dann müssen wir natürlich die Liebesschlösser dafür entfernen.“ Wann und wie? Das lässt sich aber noch nicht sagen.

Damit ging die Aufregung los. Manch einer malte sich aus, das bald schon Arbeiter mit Zangen die Schlösser aufknacken würden. Oder lässt sich der Zaun als Ganzes einfach versetzen? In wenigen Stunden war die Nachricht in mancher Kölner Kneipe und in den Sozialen Netzwerken Top-Gesprächsthema. Bei der Bahn klingelten die Telefone Sturm. Sie beschwichtigte am Tag danach. Wenn es irgendwann so sein sollte, dass man das Geländer der Brücke instandsetzen müsse, werde man eine Lösung finden, hieß es von der Bahn. Aktuell bestehe keine Notwendigkeit.

„Es gibt keine konkreten Planungen, die Schlösser in den nächsten Jahren auszutauschen. Das Geländer wird regelmäßig inspiziert. Alles andere ist Spekulation“, sagte eine Bahnsprecherin am Dienstag. Nach recht konfusen Stunden klingt das für die Liebesschloss-Community immerhin nach einem halben Happy End. Die bemühte Entspannungspolitik der Bahn verdeutlicht zumindest, wie sehr das kalte Metall der Liebesschlösser mit Emotionen aufgeladen ist.

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