Keine Panik: Das sind die guten Clowns

Keine Panik: Das sind die guten Clowns

Reinhard Horstkotte besucht als Clown Krankenhäuser. Die Grusel-Clowns kann er nicht verstehen.

Berlin. Dass sich die Fälle von gruseligen Erschrecker-Clowns nun auch in Deutschland mehren, ist für die Erschrockenen schlimm. Traurig ist das aber auch für diejenigen, die die Figur des Clowns dazu einsetzen, Gutes zu tun. So wie Reinhard Horstkotte, der künstlerische Leiter des Vereins Rote Nasen Deutschland.

Herr Horstkotte, worin genau besteht Ihre Arbeit als professioneller Clown?

Reinhard Horstkotte: Wir gehen als Clowns in Krankenhäuser, Seniorenheime oder Flüchtlingsunterkünfte, also an Orte, an denen das Lachen manchmal schwerfällt. Und dann machen wir klassische Clownsarbeit: Wir wollen Menschen zum Lachen bringen.

Warum geht das mit der Figur des Clowns so gut?

Horstkotte: Sehen Sie, das Geschäft des Clowns ist ja das Scheitern. Er stolpert, fällt hin, wird traurig, wenn keiner über seine Witze lacht — und spätestens dann lacht das Publikum. Denn der Clown erzeugt Empathie. Dadurch, dass nun mal jeder sich mit dem Scheiternden identifizieren kann. Und das funktioniert übrigens kulturübergreifend.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Clown?

Horstkotte: Meine Arbeit ist eigentlich immer schön. Das einprägsamste Erlebnis war aber ganz zu Anfang meiner Clown-Karriere. Ich habe ein im Sterben liegendes Kind und seine Mutter im Krankenhaus besucht. Furchtbar traurig, aber ich habe meine Späße gemacht und irgendwann haben die beiden sehr gelacht. Kurz danach wurde mir mitgeteilt, dass es das letzte Mal war, dass Mutter und Sohn zusammen lachen konnten.

Was machen die Nachrichten über Grusel-Clowns mit Ihnen?

Horstkotte: Es macht mich traurig, dass die Maske des Clowns dazu verwendet wird, anderen zu schaden. Eine Maske ist ein Werkzeug, so alt wie die Menschheit selbst. Sie hat viel Macht. Die zu missbrauchen, ist einfach schlecht.

Eignet sich der Clown besonders gut zum Erschrecken?

Horstkotte: Der Clown ist nun mal eine ambivalente Figur, er bewegt sich jenseits von Gut und Böse. Aber der Mensch hat ihn ja schon oft zu etwas Gruseligem gemacht. Eigentlich steht der Clown aber in der Tradition der Hofnarren, Aufrüttler, Spiegelvorhalter. Aber vor allen Dingen soll er aufmuntern.

Glauben Sie, dass sich das Bild des Clowns jetzt insgesamt verschlechtert?

Horstkotte: Ich bin ja hoffnungsloser Optimist, deshalb nein. Aber ich verurteile dieses Verhalten. Ich glaube, diese Leute, die derzeit aus den Büschen springen, wollen einfach nur Aufmerksamkeit. Es wäre zu schade, wenn wir jetzt nicht mehr als etwas Gutes angesehen werden und die Kinder schreiend vor uns weglaufen.

Was würden Sie den Grusel-Clowns gerne sagen?

Horstkotte: Ich finde, sie machen es sich zu leicht. Leute erschrecken, ist einfach. Und ein bisschen feige. Sie sollten mal versuchen, die Menschen zum Lachen zu bringen, ihre Herzen zu berühren und ihr Mitgefühl zu bekommen. Das ist eine der schwersten Übungen überhaupt.

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