Justiz: Drei Jahre U-Haft für Marco?

Justiz: Drei Jahre U-Haft für Marco?

Das Verfahren gegen den 17-Jährigen tritt auf der Stelle. Die Gegenseite will eine Freilassung unbedingt verhindern.

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p class="text"><strong>Antalya. Mehr als ein kurzer Blick auf den nun seit sieben Monaten in der Türkei inhaftierten deutschen Schüler Marco (17) war am Dienstag nicht zu erhaschen. Die früher kurz geschorenen Haare sind nachgewachsen. Mindestens bis zum 14. Dezember wird Marco nun wohl in Untersuchungshaft bleiben. Dann soll das Verfahren fortgesetzt werden.

Immerhin wurde der Junge in eine neue Haftanstalt verlegt, die moderner sein soll. Sein Zustand wird als stabil beschrieben. Die Anwälte warnen aber, seine Hautkrankheit könne sich unter den Bedingungen der Haft lebensgefährlich verschärfen.

Auch psychisch stabile Gemüter können über ein solches Gerichtsverfahren verzweifeln. Das Verfahren tritt seit Monaten auf der Stelle. Und auch gestern lag die lange erwartete Aussage des mutmaßlichen Opfers Charlotte (13) noch immer nicht vor.

Das Gericht ermunterte die Verteidigung, sich doch selbst um eine Beschleunigung des Amtsweges zu bemühen. "Ich bin schlicht und ergreifend wütend, weil ja gar nichts vorangegangen ist", so Marcos Anwalt Michael Nagel.

Seine Angehörigen können nur auf ein juristisches Weihnachtswunder hoffen, damit der Jugendliche nicht über die Feiertage hinter Gittern bleiben muss. "Ich wünsche mir so sehr, dass wir dieses Jahr Weihnachten zusammen verbringen können", sagte Marcos Bruder.

11. April: Marco W. und das Mädchen landen im Zimmer von Charlotte. Am nächsten Tag wird Marco festgenommen, nachdem die Mutter des Mädchens Anzeige erstattet hat: Untersuchungshaft.

26. Juni: Außenminister Frank-Walter Steinmeier bemüht sich bei seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül um Marco.

6. Juli: Der Prozess wird nach eineinhalb Stunden Verhandlung auf den 8. August vertagt.

8. August: Der Prozess wird auf den 6. September vertagt. Obwohl zwei Zeugen den Schüler in der Verhandlung entlasten, bleibt er in Haft. Ein Gutachter sagt, dass das Mädchen an dem Abend keinen Geschlechtsverkehr hatte.

20. November: Marco kann nach einer weiteren Anhörung vor Gericht frühestens kurz vor Weihnachten mit einer Entlassung rechnen.

14. Dezember: An diesem Termin soll der Prozess fortgesetzt werden.

stefan.kueper@wz-plus.de

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