Reform: Jede dritte Notdienstpraxis soll weg

Reform: Jede dritte Notdienstpraxis soll weg

Die Versorgung der Patienten außerhalb der Sprechzeiten steht vor Änderungen. Wir sagen, worum es geht.

Düsseldorf. Die Zahl der allgemeinen ärztlichen Notdienstpraxen im Rheinland soll von 61 auf 41 sinken. Wir erklären, worum es bei der geplanten Reform geht.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. In ihr sind die niedergelassenen Ärzte organisiert.

Die KV spricht von der „knapper werdenden Ressource Arzt“, die effizienter als bisher eingesetzt werden müsse. Ein Fünftel der Hausärzte im Rheinland ist demnach älter als 60 Jahre. Insbesondere in ländlichen Regionen fehle es an Nachwuchs. Ein Grund sei die hohe Belastung der niedergelassenen Ärzte durch Notdienste.

Laut KV liegt die jährliche Belastung durch den ambulanten Notfalldienst bei bis zu 600 Dienststunden pro Arzt. Diese Zahl soll auf 50 Dienststunden im allgemeinen und bis zu 75 Stunden im kinderärztlichen Bereich sinken.

Nein. Die fachärztliche Versorgung im Bereitschaftsdienst soll verstärkt werden. Geplant ist, 15 kinderärztliche sowie jeweils acht HNO- und augenärztliche Notfalldienstpraxen einzurichten.

Für die Behandlung eines gesetzlich Versicherten im Rahmen des ambulanten Notfalldienstes erhält der Vertragsarzt eine Vergütung von rund 30 Euro. Aus Sicht der Ärztevertreter reicht das nicht aus.

Das steht noch nicht fest. Wo es viele kleinere Notfalldienstpraxen gibt, soll die Zahl sinken — zum Beispiel in Köln von zehn auf vier. Dagegen sollen in Kleve zwei neue Anlaufstellen eingerichtet werden. Bislang gibt es dort keine Notfalldienstpraxen.

Die KV Nordrhein rechnet mit ein bis zwei Jahren.

Die Ärztekammer Nordrhein. Sie vereint alle Mediziner, also auch die Ärzte an Krankenhäusern. Die Ärztekammer fürchtet, dass deutlich mehr Patienten als bisher in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen, wenn weniger ambulante Notfallpraxen zur Verfügung stehen. Patientenvertreter erwarten, dass die Reform zu längeren Wegen und Wartezeiten führt.

Wenn es um Leben oder Tod geht (zum Beispiel bei Schlaganfall oder Herzinfarkt), bitte die Nummer 112 wählen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist abends oder am Wochenende unter der Nummer 116 117 zu erreichen. Auf diesem Weg kann auch ein Hausbesuch organisiert werden.

Aus Sicht der KV Nordrhein führt der Weg vieler Patienten abends oder am Wochenende auch bei leichteren Erkrankungen zu oft in die Krankenhausambulanz. Besser wäre es, eine Notfalldienstpraxis aufzusuchen.