Interview: Ulknudel als weiblicher Robin Hood

Interview: Ulknudel als weiblicher Robin Hood

In einer eigenen Serie spielt die als Komödiantin bekannte Darstellerin jetzt eine Anwältin für kleine Leute.

Frau Frier, würden Sie zu einer Anwältin gehen, die ihren Schreibtisch in einer Einkaufspassage stehen hat und Rechtsbeistand für einen Euro pro Minute anbietet?

Frier: Es hat natürlich was Anrüchiges. Allerdings gibt es ja mittlerweile schon etwas Ähnliches, die anonyme Anwaltsberatung am Telefon, die minütlich abgerechnet wird. So weit, dass sie den Schreibtisch in die Einkaufsmall stellen, sind die Anwälte zwar noch nicht. Aber wer weiß, wenn die Wirtschaftskrise noch ein bisschen schlimmer wird, blüht uns das ja vielleicht: Dann trifft man seinen Anwalt im Café.

Frier: Total, deshalb bin ich auch sehr froh, dass sie jetzt gesendet wird und Sat.1 den Mut hat, das zu tun. Manchmal macht man beim Fernsehen ja faule Kompromisse, aber hier hat man die Bücher genauso gelassen, wie sie gedacht waren, und hat das Ganze nicht in eine romantische Komödie umgebastelt. Die Serie sprengt die Sehgewohnheiten ein bisschen, sie ist zwar im Ton komödiantisch, erzählt aber von ganz knallharter Existenzbedrohung.

Frier: Überhaupt nicht. Als ich die ersten drei Folgen der Serie gesehen hatte, musste ich auch sagen: Leute, besonders lustig ist das eigentlich nicht (lacht).

Frier: Ganz im Gegenteil. Ich bin ein großer Freund von Tschechow, ich mag es sehr gerne, wenn etwas bewusst an der Pointe vorbeischrubbt. Wenn jemand sagt: Die Serie ist nicht richtig lustig, dann sage ich: Ja, aber so richtig lustig ist das ja auch nicht, was diesen Leuten da passiert. Ist doch toll, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt und man im besten Fall mal fünf Minuten ins Nachdenken kommt.

Frier: Lustigerweise hat die Realität meines Lebenslaufs mit meinem Image, das noch von "Wochenshow" und "Schillerstraße" bestimmt wird, wenig zu tun. Ich bin ja Schauspielerin, ich mache ganz viel Theater und habe da fast nie Komödien gespielt. Irgendwann werde ich eine schrecklich traurige Rolle in irgendeinem 90-minütigen Drama spielen, und dann wird es einen Aufschrei geben: "Annette Frier kann ja auch anders, die ist ja plötzlich ganz tragisch!"