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Interview mit US-Entertainerin Gayle Tufts: „Mir fehlt hier der Optimismus“

Interview mit US-Entertainerin Gayle Tufts: „Mir fehlt hier der Optimismus“

US-Entertainerin Gayle Tufts wollte 1991 nur kurz bleiben und lebt seitdem in Deutschland. Etwas stört sie aber.

Düsseldorf. Denglisch — der bei vielen Zeitgenossen verpönte Sprachmix aus Deutsch und Englisch — gehört bei ihr quasi zum Erfolgsrezept. Die Entertainerin Gayle Tufts wurde im US-Bundesstaat Massachusetts geboren und feiert Erfolge auf deutschen Bühnen. Bekannt wurde sie unter anderem durch die Dokusoap „Deutschland für Einsteiger“. Ihr neues Bühnenprogramm heißt „Some like it heiß“. Mit ihm macht sie auch in Düsseldorf Station.

Seitdem Sie 22 sind, stehen Sie auf der Bühne. Sind Sie die geborene Rampensau?

Gayle Tufts: Ja, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Gerade hier in Köln, wo ich heute auftrete, wohnen viele andere Rampensäue, die ich heiß und innig liebe — leider fehlt uns allen Dirk Bach. Den mochte ich sehr und vermisse ihn.

Aber als Beruf geben Sie Entertainerin an?

Tufts: Auf jeden Fall. Be present, sagte meine japanische Schauspiellehrerin immer — sei here und now. Das war und ist die große Herausforderung für mich: überall und alles spielen zu können. Ich möchte, dass die Leute mit besserer Laune aus dem Theater herausgehen, als sie gekommen sind. Das ist mein Job als Entertainerin.

Fühlen Sie sich mehr als Deutsche oder mehr als Amerikanerin?

Tufts: Obwohl mein Zuhause doch jetzt in Deutschland ist, in meiner Seele bin ich immer Amerikanerin, egal, wie lange ich hier lebe. Ich bringe es nicht übers Herz, meinen Pass abzugeben. Das würde mir komisch vorkommen, als ob ich damit meine Identität verleugne, meine Heimat verliere.

Aber Berlin ist Ihre Wahlheimat?

Tufts: Stimmt, ich liebe diese Stadt dumm und dämlich. Eigentlich wollte ich nur ein paar Monate bleiben, aber dann hab’ ich Erfolg mit meinen Shows bekommen, und nun gehöre ich da hin. Ich denke, ich nehme mir aus beiden Welten das Beste. Manchmal fühle ich eine gewisse Einsamkeit, wenn ich mit meiner Schwester telefoniere und weiß: Die kann ich jetzt nicht einfach besuchen.

Was vermissen Sie am meisten in Deutschland?

Tufts: Meine Schwester. Und diesen amerikanischen — mein Mann nennt es „grundlosen“ — Optimismus. Dieses „Ja, wir können es machen“, diese Hoffnung, die derzeit einem „Wir versuchen es“ gewichen ist. Es läuft ja nicht alles nur wunderbar in den Staaten. Trotzdem freuen sich die Leute in den USA mehr über die Erfolge anderer als hier. Man gönnt dem anderen mehr, ist stolz auf das, was der geschafft hat — das fehlt mir hier manchmal.

In Ihrer aktuellen Show geht es um die Wechseljahre, sind Sie auch manchmal „unmöglich“?

Tufts: Ja, ich bin dann schon ganz schön, wie sagt man, reizbar, mit mir selbst und anderen ungeduldig. Aber das hat auch eine gute Seite, man haut auch mal auf den Tisch und sagt: Nicht mit mir, nicht so und überhaupt sucht euch eine andere Dumme. Das ist wirklich das Gute an den Wechseljahren, dass man neue Seiten an sich entdeckt.

Wie viel Spaß ist möglich in den Wechseljahren?

Tufts: Jede Menge. Es gibt Momente, da will man unbedingt unter Leute, da möchte ich nicht zu Hause herumsitzen, da will ich raus. Viele packen noch mal was ganz Neues an. Das ist statistisch bewiesen — dass viele Frauen einen positiven Wechsel vollziehen, dass sie dann noch mal die Kraft haben, einen neuen Job zu beginnen, sich neu zu verlieben — was auch immer.

Wen finden Sie besser, Clooney oder Klopp?

Tufts: Herr Klopp, ganz ehrlich, wäre der Traumehemann jeder Amerikanerin. Ein deutscher Mann, ehrlich, freundlich, bodenständig, der guckt dir in die Augen, bietet dir einen Bausparvertrag an und will von dir zwei Kinder, ist doch super.