Inhaftierter Islamist verschanzt sich mit Lebensgefährtin in französischen Gefängnis

Lebensgefährtin erschossen : Inhaftierter Islamist will sich an Straßburgattentäter rächen

Die Polizei überwältigt einen radikalisierten Häftling in einem französischen Hochsicherheitsgefängnis nach einer Messerattacke. Die Lebensgefährtin stirbt nach dem Polizeizugriff an Schussverletzungen.

Ein gewalttätiger Islamist hat am Dienstag in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Normandie zwei Wärter mit einem Messer schwer verletzt. Anschließend verschanzte sich der 27-jährige Häftling mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer. Elite-Polizeitruppen konnten die beiden nach einigen Stunden überwältigen. Das bestätigte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bei Twitter. Bei dem Einsatz seien beide durch Schüsse verletzt worden, die Frau sei kurz darauf gestorben, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Demnach trugen Michaël C. und seine Frau Stichwaffen bei sich. Die Pariser Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Terrorismus hat den Fall übernommen.

C. hatte nach Angaben des Pariser Staatsanwalts Rémy Heitz am Dienstagmorgen unter "Allahu Akbar"-Rufen zwei Wachleute mit einem Messer schwer verletzt und sich dann mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer verschanzt. Er habe gesagt, er wolle den Straßburg-Angreifer Chérif Chekatt rächen. Die französische Justizministerin Nicole Belloubet sagte, es gebe "keine Zweifel", dass es sich bei dem Angriff um Terrorismus handele.

Zum Islam konvertiert

C. war 2010 zum Islam konvertiert und ist in dem Gefängnis als "radikalisierter" Islamist eingestuft. Er war nach Angaben der Haftanstalt mit einem Keramikmesser auf die Wachleute losgegangen. Die Polizei untersuchte, ob seine Lebensgefährtin es ihm ins Gefängnis mitgebracht hat. Keramikmesser lösen bei gängigen Metalldetektoren keinen Alarm aus.

Im Laufe des Tages mehrten sich rund um das Gefängnis die Anzeichen, dass ein Polizeieinsatz bevorstand: In unmittelbarer Nähe des Gebäudes wurden zwei Militär- und ein Rettungshubschrauber in Position gebracht, Polizisten der Eliteeinheit Raid trafen ein. Am Abend kam es dann zum Zugriff. AFP-Reporter vor Ort berichteten, man habe mehrere Explosionen gehört.

Nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters wurde ein Wachmann schwer am Oberkörper verletzt, ein zweiter erlitt Schnittverletzungen im Gesicht und am Rücken. Der Tatort - ein Zimmer, in dem Häftlinge Besuch von ihren Familien bekommen dürfen - sei "ein Schlachtfeld" gewesen: "Überall war Blut." Lebensgefahr besteht nach Angaben der Justizministerin aber nicht.

Frankreichs Gefängnismitarbeiter protestieren seit langem immer wieder für mehr Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen. Innenminister Castaner bedankte sich via Twitter bei den am Einsatz beteiligten Polizisten: Sie hätten mit Mut, Besonnenheit und Professionalität gehandelt und "wieder einmal ihrer Uniform Ehre gemacht".

Häftlinge zu Terroranschlag aufgerufen

Michaël C. verbüßt in Condé-sur-Sarthe eine 30-jährige Haftstrafe für Entführung mit Todesfolge, bewaffneten Raub und für die Unterstützung von Terrorismus. Gemeinsam mit einem Komplizen hatte er im Jahr 2015 einen Mann bei einem Raubüberfall in dessen Haus erwürgt.

Ein zweites Mal wurde C. verurteilt, weil er seine Mithäftlinge dazu aufrief, den islamistischen Terroranschlag auf das Bataclan-Kulturzentrum in Paris zu wiederholen. Bei dem Anschlag im November 2015 starben 90 Menschen.

Die Haftanstalt in der Normandie gilt als eine der sichersten Frankreichs. Derzeit sitzen dort 110 Menschen in Haft. Obwohl C. als radikalisiert galt, war er laut Ministerin Belloubet nicht im zusätzlich gesicherten Trakt des Gefängnisses untergebracht, der vor wenigen Monaten eingerichtet wurde.

(AFP)
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