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Hochwassergefahr in Nimwegen: Ein Fluss muss umziehen

Hochwassergefahr in Nimwegen: Ein Fluss muss umziehen

Nimwegen arbeitet an einem Mega-Projekt: Um die Stadt vor Hochwasser zu schützen, wird die Waal umgeleitet — und bekommt eine Insel.

Nimwegen. William Köster wohnt traumhaft. Von seinem Wohnzimmer aus blickt er auf Weideland, den Fluss namens Waal und die alte Stadt Nimwegen. „Bald ist hier alles Wasser“, sagt der 28-Jährige und zeigt auf das mit Reet gedeckte Haus und den Garten. „Das wird alles abgerissen.“ Seine Nachbarn sind bereits umgezogen. Auch William muss Platz machen für das größte Wasserschutzprogramm Europas.

„Raum für den Fluss“ heißt das Programm der niederländischen Regierung. An 30 Stellen wird die Landschaft für 2,3 Milliarden Euro radikal verändert, um bis zu vier Millionen Menschen vor den anschwellenden Flüssen zu schützen. Das Programm „Raum für den Fluss“ setzt auch intensiv auf die Zusammenarbeit mit anderen bedrohten europäischen Städten, wie etwa Mainz oder das französische Orléans.

In Nimwegen nahe der deutschen Grenze sind jetzt die großen Schaufelbagger startklar zu der Operation, die die älteste Stadt des Landes drastisch verändern wird. Die Waal wird nicht länger um die Stadt fließen, sondern sie durchschneiden. Mitten im Fluss entsteht eine Insel.

„Der Klimawandel zwingt uns dazu“, sagt der Direktor des Programms, Ingwer de Boer. Spätestens 1995 wurde klar, dass die Niederlande nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel bedroht werden, sondern auch durch die anschwellenden Flüsse. Bei der Flutkatastrophe von 1995 zeigte sich gerade die Gefahr für das 2000 Jahre alte Nimwegen. Dort macht der Fluss eine Biegung. „Ein Nadelöhr für die Wassermassen“, erläutert De Boer.

„Die Deiche zu erhöhen, ist aber keine Option“, sagt de Boer. Dadurch würden die Wassermassen auf dem Hinterland gestaut. Umweltschäden und Vernichtung von Ackerland wären die Folgen. „Wir müssen dem Fluss mehr Raum geben“, sagt der Direktor. 15 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde können Fluss und Deichvorland jetzt auffangen. Doch nach Prognosen sollte Platz sein für 16 000.

Die Ingenieure werden zunächst den bisherigen Deich um 350 Meter nach Norden verlegen und auf 16,50 Meter über dem Meeresspiegel erhöhen. Dann wird in der Biegung der Waal ein Seitenarm angelegt. Zwischen dem ursprünglichen Fluss und diesem Bypass entsteht eine Insel: komplett mit Wohnungen und einem Naherholungsgebiet.

„2015 liegt Nimwegen nicht länger mit dem Rücken zur Waal, sondern wird den Fluss umarmen“, sagt der Beigeordnete der Stadt, Jan van der Meer. Doch der Widerstand der Bürger war groß, erinnert er sich. „Das waren sehr emotionale Gespräche.“

Mit „Raum für den Fluss“ sind die Niederländer international Vorreiter. Delegationen aus der ganzen Welt reisen an die Waal. „Wir zeigen, dass der Klimawandel auch eine Chance für Stadtentwicklung ist“, sagt der Kommunalpolitiker Van der Meer stolz. Regierung, Kommune, Wasserbauingenieure, Umweltorganisationen und Bürgern entwickelten den Plan gemeinsam. „Jetzt sind alle stolz, dass wir bald eine eigene Insel bekommen“, sagt er. Neue Brücken werden die alte Stadt mit der Insel und dem anderen Ufer verbinden. Dort entsteht ein neues Wohngebiet.