Heide Keller: „Ich war kein einziges Mal seekrank“ — 30 Jahre „Traumschiff“

Heide Keller: „Ich war kein einziges Mal seekrank“ — 30 Jahre „Traumschiff“

Heide Keller über die größten Pannen in der Geschichte des TV-Klassikers, das berühmte Wunderkerzen-Finale und ihre Zukunft als Chefhostess Beatrice

Berlin. Wenig Tiefgang, großer Erfolg: Seit „Das Traumschiff“ am 22. November 1981 zum ersten Mal in See stach, locken die seichten Reiseabenteuer regelmäßig ein Millionenpublikum. Zum 30. Geburtstag des Fernsehklassikers zeigt das ZDF am 6.11. (20.15 Uhr) die Jubiläumsfolge mit zahlreichen Gaststars wie Otto Waalkes, Hape Kerkeling und Til Schweiger. Die Kreuzfahrt führt diesmal nach New York und Brasilien, wobei eine natürlich nicht fehlen darf: Heide Keller (70) alias Chefhostess Beatrice — als einzige ist sie seit der ersten Folge mit dabei.

Die in Düsseldorf geborene Darstellerin spielte nach ihrer Ausbildung jahrelang Theater, mit Vorliebe Komödien. Bei einem Auftritt in Berlin wurde sie schließlich von Produzent Wolfgang Rademann entdeckt, der ihr die Rolle als Beatrice im „Traumschiff“ gab. Heide Keller, die auch einige Drehbücher für den Fernsehklassiker schrieb, war zweimal verheiratet und lebt in Bonn.

Frau Keller, waren Sie eigentlich jemals seekrank?

Heide Keller: Nein, ich bin in den 30 Jahren kein einziges Mal seekrank geworden. Gott sei Dank, denn es muss schrecklich sein. Von den Gastdarstellern hat es in all den Jahren natürlich einige erwischt, sogar mein geliebter Kapitän Heinz Weiss ist mal seekrank geworden, was ihm schrecklich peinlich war.

Welche Pannen können an Bord denn sonst noch passieren?

Heide Keller: In Ecuador wurde einmal unser belichtetes Material geklaut. Es wurde gegen ein Lösegeld wieder ausgehändigt, sonst hätten wir alles neu drehen müssen. Und vor Jahren hat Jutta Speidel das Schiff versäumt, weil sie am Strand eingeschlafen war — sie wurde mit einem russischen Versorgungsschiff über die Strickleiter nachgeliefert. Dieses Frühjahr habe ich mir auf dem Schiff einen Bänderriss zugezogen, da bin ich sechs Wochen in der Hitze von Kambodscha mit einer Schiene rumgerannt. Damit man das nicht sieht, stand beim Drehen immer ein Koffer, ein Korb mit Kokosnüssen oder ähnliches vor meinem linken Bein.

Viele Menschen glauben vermutlich, dass Ihre Arbeit eine einzige Vergnügungsreise ist...

Heide Keller: Ja, dabei drehe ich viel, bin fast jeden Tag mal dran. Das bedeutet, dass ich den ganzen Tag auf Standby bin. Wenn ich morgens geschminkt werde und am Vormittag und am Nachmittag eine Szene habe, sitze ich dazwischen mit Lockenwicklern auf dem Kopf still im Schatten oder in der Kabine, um Makeup und Frisur nicht zu ruinieren. Das ist eine Frage der Disziplin.

Und was machen Sie mit Ihrer Freizeit an Bord, wenn Sie nicht vor der Kamera stehen?

Heide Keller: Wenn ich mal frei habe, genieße ich das sehr. Gerne bleibe ich auf dem Schiff und setze mich zum Lesen draußen irgendwo hin, denn dann dürfen meine Haare ja verwinden. Oder ich gönne mir einen Besuch in der Wellnessabteilung. Ich bin eine geborene Kreuzfahrerin, für mich bräuchte das Schiff eigentlich gar nicht anzulegen. Aber natürlich gehe ich, wenn ich frei habe, wie alle anderen an Land, besichtige die jeweiligen Sehenswürdigkeiten oder gehe an den Strand.

Und wo liegt der schönste Strand der Welt?

Heide Keller: Da wird Ihnen jeder die gleiche Antwort geben, der mal dort war: Die Insel Bora Bora in der Südsee hat die schönsten Strände, und das Wasser dort hat alle Blauschattierungen, von denen man nur träumen kann. Frage: Verreisen Sie denn auch privat oder ist das für Sie reizlos? Heide Keller: Oh doch, ich mag den europäischen Sommer in Italien oder an der holländischen Küste. Ich fahre gerne zu Freunden nach Südfrankreich, da darf ich immer in deren Haus mitwohnen. Alpine Wanderungen liegen mir dagegen eher fern.

Welchen Rat würden Sie als alter Hase Kreuzfahrt-Neulingen geben? Magentropfen einpacken, weil man immer zu viel isst?

Heide Keller: Ach, ich esse an Bord eigentlich nie zu viel. Man muss ja nicht alles aufessen, was da an den Buffets angeboten wird. Wichtig ist, dass man sich das richtige Schiff aussucht, denn es gibt ja ganz unterschiedliche Typen von Passagieren. Bei diesen modernen großen Schiffen ist das Publikum sicherlich jünger, discomäßiger als auf der eleganten „MS Deutschland“, auf der wir drehen.

Wie verhalten sich die ganz normalen Kreuzfahrt-Touristen beim Drehen?

Heide Keller: Wir haben regelrechte Groupies, die kommen, um uns zu sehen. Ab und zu werde ich sehr lieb und höflich um ein Autogramm gebeten. Nur ganz selten gibt es mal einen, der wegen der Dreharbeiten meckert.

Stichwort meckern: Wie empfinden Sie die Kritik am „Traumschiff“ in den Medien?

Heide Keller: Manchmal muss ich zwar lachen, wenn ein Journalist mit einer richtig guten Schreibe das „Traumschiff“ lustig niedermacht. Aber generell finde ich es lächerlich, wenn man der Sendung vorwirft, sie sei seicht. Wir erzählen Märchen, fröhliche und romantische Geschichten — danach sehnt sich doch jeder. Beim „Traumschiff“ wird nichts Falsches angeboten, da weiß man: Wenn man einschaltet, sieht man das schöne Schiff und gut angezogene Menschen, die sich in etwas verstricken, aber am Schluss wird alles gut.

Auch auf das Wunderkerzen-Defilee am Ende kann sich der Zuschauer verlassen. Wird das jedes Mal neu gedreht?

Heide Keller: Das mit den Wunderkerzen wird nicht jedes Mal neu aufgenommen, weil es so ein großer Aufwand ist. Manchmal verwendet man Aufnahmen, die schon vorliegen. Ich kann Ihnen aber verraten, dass das Defilee für die Jubiläumsfolge neu aufgenommen wurde, denn da wird Beatrice für 30 Jahre im Dienst gefeiert — und es gibt einen ganz besonderen Schluss.

Haben Sie vor, Beatrice irgendwann in Pension zu schicken?

Heide Keller: Irgendwann werde ich das tun. Das Jubiläum wäre ein guter Anlass gewesen, aber man will mich noch ein paar Jährchen behalten. Solange ich noch eine gewisse Frische ausstrahle, ist es ja auch noch glaubwürdig. Aber ich möchte nicht mit 80 im Rollstuhl über das Schiff geschoben werden und „Willkommen an Bord“ sagen.

Hat sich mittlerweile eigentlich der Schauspieler Christoph Maria Herbst bei Ihnen entschuldigt, der in einem Buch heftig über das „Traumschiff“ gelästert hat?

Heide Keller: Er muss sich nicht bei mir entschuldigen, mit dem möchte ich gar nicht sprechen. Für einen Menschen, der sich für seine Mitarbeit an einem Projekt bezahlen lässt und danach die Kollegen beschimpft, habe ich kein Verständnis. Keiner hat das Recht zu solchen Unverschämtheiten und haltlosen Unterstellungen. Im Übrigen hielt sich seine künstlerische Leistung bei seinem Gastspiel im „Traumschiff“ ja wohl in Grenzen.

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