Hartes Winterwetter stellt Europa auf eine eisige Probe

Hartes Winterwetter stellt Europa auf eine eisige Probe

Unzählige Flüge fallen aus,in Edinburgh muss die Armee helfen, Paris versinkt im Schnee.

Düsseldorf. Weite Teile Deutschlands liegt unter einer geschlossenen Schneedecke. Von der Nordseeinsel Sylt, wo gestern fünf Zentimeter Schnee lagen, bis Konstanz am Bodensee mit sieben Zentimetern zeigte sich die Republik in Weiß. Tief "Monika" hatte am Mittwochabend vor allem der Mitte des Landes beträchtliche Schneemengen gebracht. Im hessischen Bad Nauheim fielen 20 Zentimeter Schnee - das ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bundesweit Spitze. Auf Platz zwei folgt Bernkastel-Kues in Rheinland-Pfalz mit 18 Zentimetern, in Darmstadt fielen 17 Zentimeter.

Schnee und Eis haben Pendler und Reisende auf harte Proben gestellt. In Nordrhein-Westfalen passierten von Mittwochmittag bis gestern Mittag mehr als 1200 Unfälle. In Köln rutschte eine 28-Jährige auf Sommerreifen ausgerechnet gegen einen Streifenwagen. Deutschlands größter Airport in Frankfurt am Main musste in der Nacht vier Stunden schließen. Gestern fiel jeder vierte von rund 1400 Flügen aus. Am Flughafen Köln/Bonn mussten 15 Flüge gestrichen werden. In Düsseldorf landeten Maschinen aus Frankfurt und Paris mit Verspätung. In der Landeshauptstadt ist auch der Rheinpegel um mehr als einen Meter angestiegen.

Bei der Bahn sorgte der Schnee ebenfalls für Probleme. Besonders betroffen war die Strecke Nürnberg-Leipzig, die gesperrt wurde, weil in Thüringen Bäume auf die Oberleitung zu stürzen drohten. Außerdem kam es bundesweit zu Verspätungen.

Auch die Berliner Flughäfen waren betroffen. Jeder dritte Flug musste gestern ausfallen. Zudem geht das Enteisungsmittel für Flugzeuge aus. Grund dafür sind laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen Lieferschwierigkeiten der wenigen spezialisierten Hersteller der Flüssigkeit. Das Problem bestehe europaweit.

Die Polizeibehörden berichteten von Lastwagen, die auf Autobahnen und Bundesstraßen liegengeblieben waren. In Hessen und Thüringen versorgten Feuerwehrleute steckengebliebene Autofahrer in der Nacht mit Essen und Getränken. In Osthessen wurde die Autobahn 7 bei Fulda mehrere Stunden gesperrt. In Leipzig fiel die Tram aus.

In anderen europäischen Ländern schlägt der Winter noch härter zu: Nach dem schwersten Wintereinbruch seit fast 50 Jahren hat die schottische Hauptstadt Edinburgh gestern die Armee zur Hilfe gerufen. Die Soldaten sollten die Straßen um Krankenhäuser und Pflegeheime vom Schnee befreien. Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten.

In Frankreich riet das Innenministerium gestern davon ab, im Großraum Paris mit dem Auto zu fahren. Es bestehe hohes Glatteisrisiko. Auf den Pariser Flughäfen waren am Mittwoch tausende Reisende hängengeblieben und Flüge ausgefallen. In Luxemburg blieben die Schulen geschlossen.

Ob es bis Weihnachten in Deutschland winterlich bleibt, lasse sich noch nicht sicher vorhersagen, sagte Thomas Ruppert vom DWD in Offenbach. "Da ist noch alles drin." Lediglich bis Donnerstag legte er sich fest: "Es bleibt kalt." dpa

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