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Grand Central Station wird 100: Eine Kathedrale für Gleise

Grand Central Station wird 100: Eine Kathedrale für Gleise

Eine Million Menschen besuchen jedes Jahr das Empire State Building. Die 100 Jahre alte Grand Central Station schafft das in zwei Tagen.

New York. Er wird von Touristen öfter besucht als Notre Dame, Louvre, Große Mauer oder sämtliche Disney-Parks und ist dennoch nur ein Bahnhof. Allerdings natürlich nicht irgendeiner, sondern der größte der Welt: Die New Yorker Grand Central Station ist eine Kathedrale des Massenverkehrs und ein brillantes Beispiel für Denkmalschutz. Am Samstag wird der vielleicht berühmteste Bahnhof der Welt 100.

Der Bahnhof hat zwar 67 Gleise und damit wohl mehr als jeder andere. Doch nicht ein einziger Fernverkehrszug fährt mehr aus dem Palast an der 42. Straße. Dafür aber Vorortzüge mit Hunderttausenden Pendlern. Und, so errechnete ein Magazin, 21,6 Millionen Touristen im Jahr kommen. Der Louvre in Paris hat nicht mal halb so viele.

1902 führte ein Unfall zu einem Einschnitt in die Entwicklung der Eisenbahn in New York: Als in den vollgequalmten Tunneln zwei Züge zusammenstießen, starben 17 Menschen. Eine Woche später wurde ein Plan vorgelegt für elektrische Züge — und einen neuen Bahnhof.

Den Wettbewerb dafür gewann das Architekturbüro Reed and Stem — Reeds Schwester war mit dem Vizepräsidenten des Baukomitees verheiratet. Später kam noch das Büro Warren and Wetmore dazu: Warren war der Cousin von Eisenbahnchef William Vanderbilt. Aber neben Beziehungen hatten sie offenbar auch Talent, denn was da 1913, eröffnet wurde, war atemberaubend. Die nächsten Jahrzehnte waren die Glanzzeit.

Wenn Präsidenten und Filmstars nach New York kamen, nahmen sie den Zug und kamen in Grand Central an. Das edle Hotel Waldorf-Astoria hatte ein eigenes Gleis, und im Bahnhof waren ein Kino, eine Galerie und eine Kunstschule untergebracht. Im Jahr 1947 nutzten 65 Millionen Amerikaner Grand Central — fast jeder zweite Einwohner des Landes. Doch bald rollte der Bahnverkehr aufs Abstellgleis, und von Glanz war keine Rede mehr.

Grand Central wurde umgebaut, und bekam ein 55-stöckiges Gebäude aufs Dach. Erst 1976 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt. Doch das Gebäude verfiel. 1990 begann schließlich die Sanierung für 600 Millionen Dollar. Die New Yorker sind wieder stolz auf ihren Bahnhof, das meistbesuchte Gebäude der Stadt. Gut eine Million Menschen besuchen im Jahr das Empire State Building. Grand Central braucht dafür gerade einmal zwei Tage.