1. Panorama

Giftige Düngemittel: Mammutprozess zum PFT-Skandal

Giftige Düngemittel: Mammutprozess zum PFT-Skandal

Westfälische Firma soll giftigen Klärschlamm eingeführt haben.

Paderborn. Vor dem Paderborner Landgericht hat am Donnerstag der Mammutprozess um einen der größten Umweltskandale in Nordrhein-Westfalen begonnen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die sechs Angeklagten, illegal aus Belgien und den Niederlanden importierten Klärschlamm mit Dünger vermischt und an Landwirte verkauft zu haben. Das darin enthaltene PFT steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Es gelangte entlang der Ruhr ins Trinkwasser. Der Skandal war 2006 aufgeflogen.

In der rund 45-minütigen Anklageverlesung warf die Staatsanwaltschaft den Angeklagten „Verunreinigung von Boden und Gewässern sowie unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen“ vor. Sie hätten vorsätzlich giftige Abfälle nach Deutschland gebracht, Behörden und Landwirte getäuscht und so Schäden in Millionenhöhe angerichtet, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Brendel.

Insgesamt wurden zwischen 2003 und 2006 laut Anklage durch das Unternehmen aus Borchen (Kreis Paderborn) mehr als 80 000 Tonnen Klärschlämme eingeführt. Mehrere hundert Kilogramm reines PFT seien so auf Äcker und in Flüsse gelangt, vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In Arnsberg war das Wasser zeitweise so hoch belastet, dass die Stadtwerke abgepacktes Trinkwasser für Säuglinge und Schwangere austeilten.

Hauptverantwortlicher ist für die Staatsanwaltschaft ein inzwischen insolventer, 42 Jahre alter Unternehmer mit Betrieben in Borchen und Bleicherode (Thüringen). Auf der Anklagebank sitzen außerdem sein Betriebsleiter und drei Männer und eine Frau aus Belgien und den Niederlanden. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Um sich Schadenersatzforderungen zu entziehen, soll der Firmenchef große Teile seines Vermögens beiseitegeschafft haben. Allein die Entschädigungsforderungen des Hochsauerlandkreises und des Kreises Soest belaufen sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 4,5 Millionen Euro. Wasserwerke entlang der Ruhr mussten Millionen Euro in neue Filter investieren. Millionenbeträge kostete auch die Sanierung von belasteten Äckern.