Solarflugzeug-Pilot Bertrand Piccard: „Ich wollte das Unmögliche schaffen“

Solarflugzeug-Pilot Bertrand Piccard: „Ich wollte das Unmögliche schaffen“

Weltumrunder und Solarflugzeug-Pilot Bertrand Piccard hat in Düsseldorf den Sonderpreis des „Next Economy Award“ bekommen.

Düsseldorf. Herr Piccard, Sie sind in Düsseldorf mit dem Next Economy Award (NEA) ausgezeichnet worden. Hat dieser Preis eine besondere Bedeutung für Sie?

Piccard: Diese Auszeichnung ist sehr wichtig für mich und zeigt, dass mein Solar-Impulse-Projekt nicht ein rein ökologisches ist. Meine Botschaft heißt Nachhaltigkeit, sie ist der Schlüssel zu allem. Saubere Technologien ermöglichen Nachhaltigkeit. Daher bin ich sehr glücklich, dass mein Projekt auch so wahrgenommen wird.

Vor zwei Jahren haben Sie die Welt mit einem Solarflugzeug umrundet. Was wollten Sie damit beweisen?

Piccard: „Solar Impulse“ ist mehr als ein Flugzeug. Es agiert wie ein Vektor. Wenn ein Flugzeug Tag und Nacht ohne Treibstoff fliegen kann, angetrieben nur von der Kraft der Sonne, dann kann niemand behaupten, dass es unmöglich sei, auf die gleiche Weise Autos, Heizungen und Klimaanlagen oder Computer zu betreiben. Ich wollte beweisen, dass man mit sauberen Technologien das Unmögliche schaffen kann — und dass wir es ohne Treibstoff sogar besser als mit schaffen.

Sind Sie zwei Jahre danach schon einen Schritt weitergekommen?

Piccard: Ja, wir haben die Solar-Impulse-Foundation gegründet. Beim Klimagipfel COP 23 in Bonn haben wir unser Projekt „World Alliance for Efficient Solutions“ gestartet. Bis zum Klimagipfel im kommenden Jahr in Polen sollen 1000 Ideen ausgewählt werden, bei denen der Umweltschutz wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt wird. Unser Ziel ist es, 1000 Lösungen auszuwählen, um Regierungen, Unternehmen und Investoren anzuregen, auf Umwelt- und Energiemaßnahmen zu setzen.

Das ist sehr ambitioniert. . .

Piccard: Wer nicht ambitioniert ist, erreicht nichts. Sie brauchen ehrgeizige Ziele. Was mich wirklich beeindruckt, sind die kreativen und innovativen Ideen und Prozesse, die vor allem junge Start-up-Gründer mitbringen.

Wie beweglich sind die großen Konzerne?

Piccard: Auch die großen Unternehmen erforschen richtig gute nachhaltige Produkte, aber sie geben ihnen selten den rechtlichen Rahmen, der für den Umweltschutz so wichtig wäre. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Covestro stellt Rohstoffe für hocheffiziente Dämmstoffe her, solche sollten schon längst Standard im Hausbau sein. Die Regierungen haben eine hohe Verantwortung, diesen Rahmen zu schaffen, um Innovationen auf den Markt zu bringen. Ein anderes Beispiel: Die englische Firma Cgon hat ein System entwickelt, das 95 Prozent der Abgaspartikel und 25 Prozent des Benzinverbrauchs reduziert. Das System sollte wie einst der Katalysator überall verbaut werden und verpflichtend sein.

Welches Auto fahren Sie?

Piccard: Ein Elektro-Auto. Wenn man mit einem Solar-Flugzeug fliegt, sollte man auch ein elektrisches Auto haben.

Wie war denn nun Ihre Weltumrundung mit dem Solar-Flugzeug?

Piccard: Manchmal dachte ich: Ich bin komplett verrückt, das zu tun. Aber andererseits habe ich mich selbst und alles um mich herum, bewusst wahrgenommen. Es war eine einmalige Erfahrung.

Dabei haben Sie ja schon mal im Ballon die Welt umrundet. Welche Reise fühlte sich besser an?

Piccard: Das war sehr unterschiedlich. Ich mochte sie beide. Die Fahrt mit dem Ballon hat mir das Solar-Impulse-Projekt erst ermöglicht. Sonst hätte ich die Partner gar nicht erst gefunden. Auf der Ballonfahrt war ich 20 Tage unterwegs, mit dem Solarflugzeug gab es Unterbrechungen. In China etwa haben wir fast anderthalb Monate auf gutes Wetter gewartet, um unsere Fahrt fortzusetzen. Aber der Flug selbst war fantastisch. Stellen Sie sich vor: Sie fliegen ohne Lärm, ohne Treibstoff, treiben in der Luft. Das ist magisch. Ich habe gemerkt, das ist nicht die Zukunft, das ist mit unseren Technologien von heute machbar.

Ist Solarenergie die Energie der Zukunft?

Piccard: Es geht nicht nur um Solarenergie, sondern auch um Biomasse oder Windenergie. Es ist der Mix. Doch saubere Energien werden nicht ausreichen, wenn wir weiterhin die Hälfte der Energie verschwenden, die wir brauchen. Die Kohle-Industrie wird immer noch drei Mal so hoch subventioniert wie die Windenergie. Wir müssen energieeffizienter sein, dann werden wir die Kohle irgendwann nicht mehr brauchen. Wir müssen umdenken.

Sie kommen aus einer berühmten Forscherfamilie. Was wollen Sie an Ihre drei Töchter weitergeben?

Piccard: Ich möchte ihnen Pioniergeist mit auf den Weg geben, um neue Wege im Denken und Tun zu beschreiten, anstatt alte Muster zu bedienen. Ich möchte ihnen den Respekt vor dem Leben, der Erde und der Umwelt mit auf den Weg geben.

Was ist Ihr nächstes Abenteuer?

Piccard: Ich möchte mit den 1000 Lösungen der Mitglieder der World Alliances um die Welt reisen, um für den Gedanken der Nachhaltigkeit zu trommeln. Und mit den wichtigen Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft in einem Solar-Flugzeug aufsteigen, um ihnen die Möglichkeiten der Zukunft zu zeigen.