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Kaufen, fahren, verkaufen – das war einmal

Carsharing- und Auto-Abo-Modelle : Kaufen, fahren, verkaufen – das war einmal

Jahrelang galt eben dieses Prinzip: Ein Auto wurde gekauft, gefahren und entweder nach einer Zeit wieder verkauft oder verschrottet. Mit den Jahren wurden die Autos teurer und es entstanden Finanzierungsvarianten, die es Otto-Normalverbrauchern ermöglichen sollten, mobil zu sein. Der Fahrzeugkredit war lange Zeit reserviert für Privatpersonen; Geschäftsleute entdeckten Leasingmodelle für sich. Und nun steht die nächste Revolution an, die allerdings nicht geradlinig und auf einer Spur verläuft, sondern durchaus zweierlei Routen einschlägt: Carsharing- und Auto-Abo-Modelle begeistern Menschen ohne eigenes Fahrzeug. Was die zwei Modelle unterscheidet und wem sie nützen, verrät dieser Beitrag.

Das Auto-Abo gleicht einem Mini-Leasing-Modell

Das Auto-Abo ist die Weiterentwicklung des Leasing-Modells, nur passt sich das Auto-Abo eben dem Wunsch der Menschen nach mehr Flexibilität an. In der Praxis bedeutet das: Die Laufzeiten sind deutlich kürzer und alle Kosten (außer der Sprit) sind inklusive. Cluno, ein Anbieter für Auto-Abos, bietet beispielsweise Abo-Modelle mit sechs, 12 oder 18 Monaten an. Die praktische Online-Filterfunktion ermöglicht es Kunden, ihr Wunsch-Fahrzeug direkt am heimischen Computer auszuwählen. Ausgewählt werden kann dabei nach Marke, Getriebe, Fahrzeugtyp, Kraftstoff, monatlichem Budget, Leistung oder Ausstattung. Im monatlichen Mietpreis enthalten sind die Kosten für Wartung- und Verschleißarbeiten, für Versicherung, Steuer und GEZ, für die Zulassung, für Reifen, für monatlich 1.250 Kilometer und für Arbeiten, die im Rahmen der Garantie anfallen.

Für wen ist das Mini-Leasing-Modell die beste Wahl? Für Menschen, die vorübergehend mobiler sein müssen, als sie es bisher ohne Auto waren.

  • Das können Studenten sein, die ein Semester lang in einer Praktikumsstelle tätig sind, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreicht werden kann.
  • Das kann aber auch derjenige sein, der ein einjähriges Sabbatical umsetzen möchte und noch nicht weiß, wohin ihn der Weg führt.
  • Selbst wenn ein Umzug ansteht und dafür für einen begrenzten Zeitraum von einem halben Jahr, einem Jahr oder eineinhalb Jahren die Kinder bereits in die „neue“ Schule gefahren werden, um ihnen später die Umgewöhnung zu ersparen – selbst für diesen Zweck ist das Kurzzeit-Auto-Abo gut geeignet.

Carsharing bedeutet teilen, statt flexibel nutzen

Carsharing ist gut geeignet für alle jene, die das Fahrzeug kaum nutzen und nur ab und an von A nach B fahren wollen. Sich dafür ein Auto vor die Tür zu stellen, das Steuer, Versicherung, Wartung und Verschleiß kostet, ist nicht wirtschaftlich. Die Fahrzeuge sind in der Regel vollkaskoversichert. Der jeweilige Anbieter sorgt für Wartung, Pflege und Reinigung und platziert das Fahrzeug meist an einem verkehrstechnisch günstig gelegenen Ort. Wer das Fahrzeug benutzen möchte, registriert sich oder installiert die entsprechende App auf dem Smartphone, bucht das Fahrzeug und erhält alle für die Fahrt benötigten Informationen. Wer das Fahrzeug verlassen möchte, muss das Auto entweder auf einen speziellen Carsharing-Parkplatz stellen, wo das Fahrzeug auch wieder für andere Mieter verfügbar wird, oder notiert den Stopp als Zwischenstopp, womit das Fahrzeug reserviert bleibt – und anschließend wieder verfügbar ist. In Neuss beispielsweise haben die Stadtwerke und der Bauverein zwei Carsharing-Angebote geschaffen. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um umweltfreundliche Elektroautos. Das Tarifsystem beinhaltet Tages- und Wochenendpreise, Stadtwerkekunden erhalten zudem einen satten Rabatt.

Der Vorteil von Carsharing-Modellen wie dem Angebot in Neuss ist, dass es sich um umweltfreundliche Elektroautos handelt. Beim Auto-Abo ist der Antrieb frei wählbar. Foto: Pixabay.com/stux (CC0 Public Domain)

Für wen ist das Carsharing-Modell die beste Wahl? Für Menschen, die nur punktuell einen fahrbaren Untersatz brauchen.

  • Das könnte ältere Menschen sein, die nur einmal in der Woche oder einmal monatlich ein Fahrzeug brauchen, um unhandlichere Einkäufe komfortabel nach Hause zu bringen.
  • Das könnten Bewohner einer Großstadt sein, die sich innerhalb der Stadt gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen können, die aber einen Besuch außerhalb der Stadt bei Freunden oder Verwandten, kaum ohne Fahrzeug bewerkstelligen können.

Auto-Abo vs. Carsharing – was sind die Vor- und Nachteile?

Es ist beinahe unmöglich zu bewerten, ob das Auto-Abo oder das Carsharing-Modell das „Bessere“ ist, denn es hängt letztlich vor allem von der individuellen Nutzung ab, welche Variante die geeignetere ist. In puncto Flexibilität ist das Auto-Abo jedoch in jedem Fall der Gewinner, denn das abonnierte Auto steht für den Zeitraum des Abonnements vor der Tür und ist flexibel nutzbar. Beim Carsharing-Modell wiederum muss derjenige, der das Auto benutzen möchte, zum Carsharing-Point gehen und das Fahrzeug dort abholen. In Neuss gibt es beispielsweise diese Standorte: am Hamtorwall, in der Moselstraße und im Quartier Südliche Furth. Einen Pluspunkt gibt es für Carsharing-Modelle, wie das in Neuss, weil es sich bei der Flotte um Elektroautos handelt, die die Elektromobilität in Deutschland weiter stärken. Bei Cluno hingegen können Elektroautos abonniert werden, allerdings ist die Wahl des Antriebs den Nutzern freigestellt.

Aus den Kreisen der passionierten Autofahrer hört man darüber hinaus die Meinung, dass das Auto-Abo das Gefühl des „eigenen Fahrzeugs“ unterstreicht, das auch in Maßen individualisiert werden könnte – zumindest wenn es um rückbaubare Accessoires geht, wie etwa Autositzbezüge. Das geteilte Fahrzeug beim Carsharing bleibt ein vorübergehender Gegenstand, der benutzt wird. Auch das muss man mögen – das man mit eben dem Auto fährt, in dem vor einer Stunde noch ein Fremder gesessen ist.