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Glosse: Elterliches Ringen um die Zukunft der Kinder

Glosse: Elterliches Ringen um die Zukunft der Kinder

Es ist eine der vornehmsten Eigenschaften von uns Eltern, unseren Kindern all das ersparen zu wollen, was bei uns so schiefgelaufen ist im Leben — Misserfolge, Enttäuschungen, Niederlagen. Wenn also unsere Fußballkarriere wegen der schlechten Platzverhältnisse und der Ahnungslosigkeit unseres Trainers leider schon in der Kreisliga C enden musste, sind wir selbstlos bestrebt, der Generation nach uns den kunstrasengepflasterten Weg in die Bundesliga zu erleichtern.

Man erkennt all die Väter guten Willens Wochenende für Wochenende an den vom vielen Brüllen kurz vor dem Bersten stehenden Halsschlagadern, Folge der wertvollen Ratschläge vom Spielfeldrand, die sie im Wechsel ihren Kindern, dem Trainer und dem Schiedsrichter geben.

Mütter stehen, wie viele Berichte von launigen Elternabenden und Lehrersprechtagen belegen, diesem pädagogischen Engagement zum Schutz des geborenen Lebens in nichts nach. Ein nicht alltägliches Beispiel dieses Ringens um die Zukunft der Kleinen ist uns vom Wochenende aus Aachen überliefert. Dort waren zwei Ringer im Grundschulalter bei einem Kinderturnier eines deutschen und eines niederländischen Vereins in Streit darüber geraten, wer denn nun gewonnen habe. So etwas kann, man weiß das, ohne elterliche Intervention nicht vernünftig geklärt werden, weswegen die Mutter eines der Kinder die Situation dergestalt bereinigte, dass sie das andere Kind erst einmal sachgerecht zur Seite schubste. Letzte Klärungen auf höchstem Niveau erfolgten, nachdem auch die Verwandtschaft des geschubsten Kindes beherzt eingegriffen hatte und schließlich rund 20 Väter und Mütter in einer gemeinsamen Schlägerei das Beste für ihre Kinder rausholten.

Das zeigt, wer wirklich daran arbeitet, die Bildungs- und Leistungsmisere in diesem Land zu beheben. Zumal es sich bei dem zunächst geschubsten Kind um ein deutsches handelte. Es nimmt dank der Unterstützung seiner Verwandtschaft nun aber die ermutigende Gewissheit mit nach Hause, dass man als Deutscher einfach nicht verlieren darf — schon gar nicht gegen Holländer.