Schulz & Böhmermann: Die erste Sendung war "ok"

Schulz & Böhmermann: Die erste Sendung war "ok"

Jan Böhmermann und Olli Schulz lassen das TV-Urformat der Talksendung wieder aufleben. Start war am Sonntag bei ZDFneo.

Düsseldorf. Talksendungen sind out, das Fernsehen sowieso nur noch Tummelplatz für abgehängte Bevölkerungschichten, die "Mitten im Leben" stehen, oder Stars, die es eben nicht mehr tun und daher bei Promi-Big-Brother landen. Doch vor einigen Jahren nahte im Format von "Roche & Böhmermann" die Rettung für Alljene, die die Programmchefs der Republik verloren glaubten für TV-Unterhaltungssendungen. Die Talk-Show erreichte binnen weniger Wochen Kultstatus, wurde aber ebenso plötzlich abgesetzt wie sie für Furore gesorgt hatte. Nun am Sonntag endlich wieder ein Silberstreif am Horizont für alle vom Fernsehen Enttäuschten: „Schulz & Böhmermann“ (fünf Folgen sonntags, 22.45 Uhr, bei ZDFneo).

Die beiden Moderatoren heißen wie die Sendung oder besser gesagt, die Sendung heißt wie die beiden Moderatoren. Olli Schulz und Jan Böhmermann haben sich mit ihrer wöchentlichen Radioshow "Sanft & Sorgfältig" bereits eine große Fangemeinde erarbeitet - und sollen dies nun um TV wiederholen.

Die TV-Show ist, wie der Vorgänger mit Charlotte Roche, ziemlich retro. Es darf vor laufender Kamera gequalmt werden, was vor allem Moderator Olli Schulz, einen passionierten Raucher, freuen mag. Auch Gast Kollegah nimmt das Rauchgebot gern in Anspruch: Der Gebührenzahler hat dem Rapper immerhin eine fette Zigarre spendiert. Er ist halt der Boss, auf den sich vor allem Schulz gefreut hat und prompt gesteht: "Ich verfolge deine Laufbahn ja schon seit zehn Jahren." Punchlines des Rappers, der mit bürgerlichem Name Felix Blume heißt, werden zitiert.

Nach ungefähr 20 Minuten nimmt die Sendung endlich Fahrt auf und kommt nah ran an den Vorgänger: Die Gäste diskutieren nicht mit den Moderatoren, sondern miteinander. Und beibt Wetterexperte Jörg Kachelmann den beiden Moderatoren Antworten gerne schuldig, schafft es Kollegah mit cleverer Fragestellung sie dem Wahl-Schweizer doch noch zu entlocken.

Buh-Mann der Sendung: Gerd Postel, der sich als Arzt ausgegeben hatte und wegen Betruges verurteilt worden war - zwei Jahre Knast inklusive. Das ist mehr Erfahrung als Gangsta-Rapper Kollegah bisher in Sachen "Street Credibility" sammeln konnte: "Klar war ich schon im Gefängnis - wenn ich Kollegen besucht habe." Denn so "dumm sich erwischen zu lassen, war ich nie."

Der vierte Gast im Bunde: Anika Decker, die zusammen mit Til Schweiger die "Keinohrhasen" ins Kino brachte. Doch auch wenn die Autorin laut eigener Aussage mit dem "großen" Schweiger an Drehbüchern auf Augenhöhe arbeitet, kann sie sich im "Schulz & Böhmermann"-Kosmos nicht wirklich durchsetzen. Zwischen Knast-Geschichten von Kachelmann ("Im Gefängnis waren die Wände waren voller Hakenkreuze.") und Postel ("Ich war ein Hochstapler unter Hochstaplern.") ist einfach kein Platz für die Geschichte einer Witzeschreiberin, die während einer ihrer Erfolgsfilme gedreht wurde, für acht Tage im Koma lag.

Auch wenn die Moderatoren es nicht verhindern konnten, dass Decker untergebuttert wurde, vor allem weil Postel nicht nur Hochstapler, sondern vor allem Selbstdarsteller mit Hang zum Narzismus ist, war die erste Sendung von Olli Schulz und Jan Böhmermann "ok" - so befanden die beiden zumindest in der Nachbesprechung am Ende. Und Böhmermann ergänzt: "Mit Luft nach oben."

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