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Rotlicht-Prozess: Freier betäubt und ausgeraubt: Wollersheim-Partner soll lange in Haft

Rotlicht-Prozess : Freier betäubt und ausgeraubt: Wollersheim-Partner soll lange in Haft

Kunden sollen in einem Düsseldorfer Bordell willenlos gemacht und ausgenommen worden sein. Der Staatsanwalt sieht Thomas M. als Drahtzieher. Das Verfahren dauert schon vier Jahre.

Düsseldorf. Während sein Partner Bert Wollersheim mit seiner Noch-Ehefrau Sophia Soap-Serien fürs Reality-Fernsehen abdrehte, blieb Thomas M. immer die graue Eminenz.

Doch der 51-Jährige soll im Hintergrund die Fäden gezogen haben, wenn es darum ging, solvente Kunden um viel Geld zu bringen. Dafür soll der ehemalige Besitzer der Bordelle an der Düsseldorfer Rethelstraße mehr als neun Jahre ins Gefängnis, fordert die Staatsanwaltschaft. Der Prozess dauert schon mehr als vier Jahre.

Systematisch sollen Freier mit Alkohol, Drogen und Medikamenten betäubt worden sein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ist überzeugt davon, dass dann mit den Kreditkarten der Opfer die Konten abgeräumt wurden. In einem Fall entstand ein Schaden von 22 000 Euro.

Das Verfahren gehört nicht nur zu den längsten Strafprozessen, die vor dem Düsseldorfer Landgericht verhandelt wurden. Es kamen auch viele skurrile Details ans Tageslicht. So wurden Polizeibeamte inkognito ins Bordell geschickt, um Proben des Begrüßungs-Drinks zu besorgen. Gefunden wurde nichts Verdächtiges.

Ein anderer angeblich betrogener Freier hatte einer Prostituierten noch mehrere Stunden lang SMS-Nachrichten geschickt, weil er sein Schäferstündchen im Hotel fortsetzen wollte. Sein Handy wurde im Gerichtssaal beschlagnahmt. Die Frau wurde als einzige Angeklagte bisher freigesprochen.

Zuletzt wurde nur noch gegen Thomas M. und einen ehemaliger Mitarbeiter verhandelt. Für die Staatsanwaltschaft ist der 51-Jährige der räuberischen Erpressung und gefährlichen Körperverletzung überführt. Er soll außerdem aus der Haft versucht haben, Zeugen durch Mittelsmänner zu beeinflussen. Thomas M. sitzt bereits seit fünf Jahren in Haft.

Am Montag soll das Urteil den Schlussstrich ziehen.