Frauen verdienen weniger – und sind zufrieden dabei

Frauen verdienen weniger – und sind zufrieden dabei

Die Gehaltsvorstellungen von weiblichen Arbeitnehmern sind rund 20 Prozent niedriger als die von Männern.

Düsseldorf. Ist es ein Rückfall in alte Rollenbilder oder nur eine Ära der neuen Bescheidenheit? Fakt ist: In Deutschland verdienen Frauen rund 20 Prozent weniger als gleich qualifizierte Männer. Im EU-Durchschnitt sind es 18 Prozent. Zugegeben: Das ist alt, füllt kein Sommerloch und bietet sich auch nicht als x-te Auflage einer Geschlechter-Debatte an.

Neu ist indes, dass sich Frauen mit ihrem geringeren Gehalt zufriedengeben und diese geringere Entlohnung auch noch als gerecht empfinden. Das besagt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

"Die Ansprüche der Frauen an ihr Einkommen sind geringer als die der Männer", schreiben die Verfasser der Studie, die alle Einkommensschichten und Branchen berücksichtigt. Auf die Frage nach einem gerechten Lohn gaben Frauen Summen an, die rund ein Viertel niedriger lagen als bei Männern.

Der Erklärungsversuch der DIW-Experten: Beide Geschlechter passten ihre Forderungen in Gehaltsverhandlungen ihren Erwartungen an. So verglichen sich Frauen in erster Linie mit anderen Frauen. Und da diese oftmals in sogenannten Frauenberufen mit niedrigerem Lohnniveau tätig seien und sie die eigenen Einkommenserwartungen daran ausrichteten, hätten Arbeitgeber bei Gehaltsverhandlungen leichtes Spiel. Da hilft auch ein gesetzlich verbrieftes Diskriminierungsverbot nicht weiter.

Das DIW mahnt als Problemlösung eine höhere Transparenz bei der öffentlichen Darstellung der Gehaltsunterschiede an. Schwedische Feministinnen sind am Dienstag offensiver vorgegangen: Sie verbrannten Kronen im Wert von umgerechnet 10.400 Euro. Diese Summe entspreche dem Betrag, den Frauen beim gegenwärtigen Entlohnungssystem jede Minute verlören. Zum Nachrechnen: In Schweden verdienen Frauen 17,1 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

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