Flaute bei den Ferienjobs

Flaute bei den Ferienjobs

Wirtschaftskrise: Saisonkräfte haben es diesen Sommer schwer. Wer jobben will, sollte Erfahrung mitbringen.

Düsseldorf. Eis verkaufen, am Fließband schuften, Regale einräumen, an der Kasse stehen - wer als Schüler oder Student nicht nur mit Geld von Mama und Papa über die Runden kommen will, muss in den Ferien unter die Berufstätigen gehen. Zumindest für ein paar Wochen. Doch gibt es eigentlich noch Ferienjobs, wenn gleichzeitig die Wirtschaft ächzt?

Professor Paul Welfens, Wirtschaftswissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal sieht die Lage auf dem Markt für Aushilfskräfte wenig optimistisch: "In diesem Jahr ist es weitaus schwieriger als sonst, einen Ferienjob zu finden. In der Industrie sind viele Unternehmen in Kurzarbeit, haben ohnehin schon einen Personalüberhang. Entsprechend stellen sie auch kaum Saisonkräfte ein." Welfens nennt vor allem Automobilzulieferer und den Bereich Maschinenbau.

In der Gastronomie und im Einzelhandel bestehe ein Standardbedarf an Arbeitskräften, auch bei Dienstleistungen wie der Drucktechnik gebe es Angebote, so Welfens. Und: Der Mittelstand bemühe sich, Jobs für Schüler und Studenten anzubieten. "Das sind häufig Unternehmen, die sich über Jahre einen guten Ruf aufgebaut haben und diesen nicht verlieren wollen, indem sie solche Jobs nicht mehr bereitstellen", sagt Welfens, der für die nächsten ein bis zwei Jahre keine Verbesserung der Marktlage prophezeit.

Sascha Ropertz von jobs3000.net bietet auf seiner Homepage zwischen 3000 und 4000 Stellen an - bundesweit, "etwa genau so viel wie in den vergangenen Jahren, in ganz verschiedenen Sparten", sagt er. Die Krise hat bislang seiner Ansicht nach keinen Einfluss auf diese Jobs gehabt, "jedenfalls nicht, was die Zahl der Angebote angeht". Begehrt seien unter anderem Zeitungszusteller.

Dennoch werde es zunehmend schwieriger, einen Ferienjob zu bekommen, denn die Zahl der Bewerber hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Ropertz nennt zwei Gründe: "Studiengebühren und finanzielle Unsicherheit." So kommt es in der Ferienzeit immer öfter zu Kollisionen auf dem Arbeitsmarkt: Schüler, Studenten, Rentner und Zweitjobber - alle auf der Suche nach Beschäftigung.

Von den Unternehmen, die Ferienjobs bereitstellen, sind einige mittlerweile dazu übergegangen, auch bei Aushilfen eine gewisse Berufserfahrung einzufordern. Und wer sich einmal bewährt hat, darf auch gerne wiederkommen. "Klar, jeder will sparen", sagt Waltraud Loose, Geschäftsführerin der Einzelhandelsverbands NRW. Angelernte Kräfte sind darum umso mehr gefragt. Bei Karstadt in Düsseldorf etwa, das trotz der Probleme des Mutterkonzerns Arcandor etwa zehn bis 15Stellen anbietet - vor allem als Urlaubsvertretungen, das Geschäft soll wie gewohnt weiter laufen.

"Dabei greifen wir gerne auf Leute zurück, die schon Erfahrung im Handel haben", sagt Geschäftsführer Christof Sattler. Probleme, die Stellen zu besetzen, gebe es nicht: "Zwischen zehn und 20 Prozent der Bewerber bekommen den Zuschlag."

Die Deutsche Post, bei der früher viele Schüler in den Ferien Kataloge und Briefe verteilten, verfährt mittlerweile in vielen Fällen ähnlich. "Wir haben einen festen Personalstamm", sagt Dieter Pietruck, Sprecher der Post-Regionaldirektion Düsseldorf. "Wenn Bedarf besteht, rufen wir die Leute an. Der Vorteil ist, dass wir sie dann sofort einsetzen können und nicht erst einarbeiten müssen."

Autobauer Ford stellt in der Produktion seit drei Jahren überhaupt keine Ferienjobber mehr ein. "Trotz großer Nachfrage des Kleinwagens Fiesta ist unsere Personalplanung so rigoros, dass wir mit unseren eigenen Mitarbeitern auskommen können und müssen", sagt Pressesprecherin Beate Falk.

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