Filmkongress: Interview mit Regisseur Jan Bonny - Von der Stärke, sich nicht zu wehren

Filmkongress: Interview mit Regisseur Jan Bonny - Von der Stärke, sich nicht zu wehren

Jan Bonny erzählt in seinem Spielfimdebüt „Gegenüber“ von häuslicher Gewalt.

Köln. In Cannes ist Nachwuchsregisseur Jan Bonny für sein Spielfilmdebüt "Gegenüber" gefeiert worden. Beim heute beginnenden Internationalen Filmkongress der Filmstiftung NRW stellt der 1979 in Düsseldorf geborene Filmemacher seine Geschichte über häusliche Gewalt dem deutschen Publikum vor.

Herr Bonny, Sie erzählen die Geschichte eines Paares: Georg ist Polizist, Anne Lehrerin.

Bonny: Beide sind Erzieher. Menschen, die professionell in der Lage sein müssten, mit Konflikten umzugehen. Sie kommen aus der Mittelschicht, sind normale Bürger. Damit kann sie der Zuschauer nicht einfach abtun.

Die beiden streiten, Anne schlägt ihren Mann, immer wieder. Ganz normal?

Bonny: Nicht in den zugespitzten Situationen, aber in ihrem Alltag. Sätze, die sie sagen, wie etwa das beschwichtigende "Das ist doch kein Drama”, haben wir alle schon gesagt. Vieles, wenn nicht das meiste, in diesem Film ist erstmal normal.

Warum wehrt Georg sich so spät?

Bonny: Menschen können endlos Dinge aushalten und entwickeln dafür ihre eigenen Methoden. Die beiden werden immer abhängiger voneinander. Zumal sie sich immer mehr von außen isolieren. Es ist Georgs Stärke, die er selber empfindet, sich nicht zu wehren. Er will seiner Frau helfen, auch aus Liebe.

Gibt es einen Unterschied, ob die Frau den Mann schlägt oder umgekehrt?

Bonny: Der Film ist bewusst so angelegt, dass es darum gar nicht geht. Er ist nicht sozialpolitisch. Das wäre auch eine Anmaßung. Ich will die private Geschichte dieser beiden Menschen erzählen und dabei kein Urteil fällen.

Was hat Sie daran fasziniert?

Bonny: Ich bin durch eine Zeitungsmeldung darauf gestoßen. Man reagiert zunächst unsachlich, denkt, das geht doch gar nicht und fühlt sich komisch berührt. Die Geschichte erzählt aber gar nicht vordergründig von der körperlichen Gewalt, sondern von Isolation und Abhängigkeit. Man könnte das weit über Gebühr ausbeuten. Doch dann verrät man seine Figuren.

Sie haben vor zwei Jahren das Buch zum Film geschrieben, ihn realisiert und in Cannes eine Auszeichnung bekommen - ein ganz schöner Durchmarsch.

Programm Unter dem Titel "grenzenlos film" zeigt die Filmstiftung NRW von morgen bis Dienstag, 19. Juni, in Köln neue Produktionen. Jan Bonny präsentiert sein Debüt "Gegenüber", ein Film über Gewalt in der Ehe. Er erzählt von einem Paar, bei dem die Frau ihren Mann immer wieder schlägt. In einem der Foren des Kongresses spricht Bonny aus Sicht eines Nachwuchsregisseurs.

www.filmstiftung.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung