Fahndung: Juwelenraub wie im Kino

Fahndung: Juwelenraub wie im Kino

Die Täter hatten mit Latexmasken ihr Äußeres verändert. Scotland Yard setzt Belohnung von einer Million Pfund aus.

London. Nach dem größten Juwelenraub in der Geschichte Großbritanniens setzt Scotland Yard bei der Fahndung nach den Tätern auf eine Rekord-Belohnung und neue Fahndungsbilder.

Die Polizei veröffentlichte neue Aufnahmen einer Überwachungskamera, die beide Räuber und ein Fluchtfahrzeug zwei Tage vor dem eigentlichen Beutezug vor dem Juweliergeschäft zeigen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gangster schon zu diesem früheren Zeitpunkt zuschlagen wollten, ihr Vorhaben aber aus irgendeinem Grund abgebrochen hatten.

Neben den Bildern soll eine Belohnung von einer Million Pfund neue Hinweise auf die Täter geben, die Schmuck im Wert von 40 Millionen Pfund (rund 46 Millionen Euro) geraubt hatten.

Auch wenn die Polizei die Gefährlichkeit der Männer betont - sie hatten auf der Flucht Schüsse abgegeben und kurz eine Geisel genommen - können sich britische Medien einer gewissen Faszination nicht entziehen.

Erst war von "Gentleman-Räubern" die Rede, weil die Verbrecher in edlen Anzügen, Krawatten und scheinbar unmaskiert den Nobel-Juwelier überfielen. Dann wurden verstärkt Erinnerungen an Hollywood-Kassenknüller wie "Ocean’s Eleven" bemüht, in dem eine Gangster-Bande mit einem ausgeklügelten Plan ein gut gesichertes Casino-Hotel in Las Vegas ausraubt.

Filmreif war bei dem Londoner Überfall zumindest die Tarnung. Kurz zuvor hatten die Gangster bei einem Make-up-Spezialisten ihr Äußeres verändern lassen. Der Maskenbildner ließ ihre Gesichter mit Hilfe von flüssigem Latex altern und verpasste den Männern zudem eine andere Haarfarbe. Daher vermittelte das Überwachungsvideo auch den Eindruck, dass die Räuber ohne Masken in den Laden marschierten. Die Verbrecher hatten dem Maskenbildner erzählt, sie würden in einem Musikvideo auftreten und müssten daher anders aussehen.

"Meine eigene Mutter würde mich so nicht wiedererkennen", soll einer der Männer nach der mehrstündigen Prozedur gesagt haben. Der Make-up-Experte steht jetzt unter Polizeischutz.

Neben dem Verbleib der Männer und ihrer Komplizen - die Polizei geht von mindestens zwei weiteren Spießgesellen aus, die die Fluchtfahrzeuge gefahren haben - rätselt Scotland Yard auch über den Verbleib der Beute. 43 Einzelstücke wie Ketten, Ohrringe oder Armbänder mit 1500 Edelsteinen hatten die Räuber aus dem Nobelgeschäft mitgehen lassen, das Prominente wie Naomi Campbell, Mike Tyson, Ivana Trump oder David Beckham zu seinen Kunden zählt.

Experten gehen davon aus, dass der Schmuck schon außer Landes gebracht wurde. Da ein Teil des Geschmeides möglicherweise in seine Einzelteile zerlegt wurde, sind Diamantenhändler auf der ganzen Welt zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

Abnehmer für die brisante Ware könnte es in Ostasien geben, vor allem in China, meinte der Vizepräsident der Londoner Diamantenbörse, Harry Levy. "Das ist wohl eine der wenigen Ecken, wo man die Sachen tragen kann, ohne dass sie erkannt werden."