Erste Hilfe für den ersten Geiger

Déirdre Mahkorn therapiert Musiker mit Lampenfieber.

Bonn. Für viele Klarinettisten ist es ein blanker Horror, die Partitur in Prokofjews „Peter und der Wolf“ zu spielen. Das Instrument symbolisiert dort die Katze. Sopranistinnen haben häufig Angst vor den Koloraturen der „Königin der Nacht“.

Schweißausbrüche, Herzrasen, Panikattacken — bei vielen Berufsmusikern übersteigt ihr Zustand vor Auftritten die normale gesunde Aufregung. Sie leiden unter krankhaftem Lampenfieber. An der Uniklinik Bonn wird ihnen geholfen.

Die Neurologin und Psychiaterin Déirdre Mahkorn schätzt, dass jeder zweite Berufsmusiker unter Lampenfieber leidet. Vor einigen Monaten hatte sie die Idee für die Lampenfieberambulanz für Musiker. Inzwischen hat Mahkorn bereits 150 Patienten betreut. „Mit Erfolg“, betont sie. Die Betroffenen sind ganz junge Musiker, die an der Musikhochschule vorspielen, aber auch alt eingesessene Orchestermitglieder, einer reist gar aus London an.

Musiker, die ihre Hilfe suchen, haben etwa Panikattacken oder soziale Phobien. „Wir versuchen zu ergründen, was diese Ängste verursacht“, erklärt Mahkorn. An den sogenannten dysfunktionalen Gedanken arbeitet die Psychiaterin dann. Medikamente verordnet die Medizinerin nicht.

„Meist muss zuerst das Vermeidungsverhalten der Musiker abgebaut werden“, sagt Mahkorn. Es sei nicht selten, dass Berufsmusiker die Konzerte absagen, sich krank melden oder nur spielen können, wenn sie Beta-Blocker nehmen. Sie müssen lernen, dass Weglaufen keine Lösung ist.

Mahkorn erarbeitet mit den Lampenfieberkandidaten eine Skala, auf der sie ihre Angstsituationen auflisten. Diese werden dann Stück für Stück abgearbeitet. „Ein Geiger kann etwa sein Instrument erst einmal in einer Schulklasse vorstellen, im Gottesdienst oder in einem Altenheim spielen“, sagt Mahkorn. Diese Übung wird anschließend besprochen. Die Psychiaterin spricht von einer systematischen Desensibilisierung. Als Endpunkt steht die größte Angst des Musikers, die es zu bewältigen gilt.

„Die Lampenfieberambulanz ist mein Hobby“, sagt Déirdre Mahkorn. Sie hat Spaß an der Arbeit mit den Musikern, weil sie motiviert und kreativ sind. Die Musiker wollten schließlich wieder mit Freude musizieren. „Es ist für mich sehr schön, wenn das einem Patienten wieder gelingt.“

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