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Entflohener Häftling stellte sich: Warum konnte der Mörder fliehen?

Entflohener Häftling stellte sich: Warum konnte der Mörder fliehen?

Am Mittwochabend stellte sich Nadiem Ralf M. nach mehrwöchiger Flucht der Polizei. Er war wegen eines Mordes in Wuppertal inhaftiert - und von einem Freigang nicht zurückgekehrt.

Düsseldorf/Wuppertal. Mit Hochdruck fahndete die Polizei nach dem entflohenen Mörder Nadiem Ralf M. Der Mann soll in Hamburg eine Frau niedergestochen und eine weitere Bluttat verübt haben. Der 42-Jährige ist für einen Mord in Wuppertal verurteilt worden und war von einem unbegleiteten Ausgang, der ihm von der Justizvollzugsanstalt Werl gewährt wurde, nicht zurückgekehrt.

Am Mittwochabend stellte er sich in Lübeck. Nach bisherigen Erkenntnissen erschien der Mann mit einem Anwalt an einer Polizeistation, wie Ermittler in Hamburg mitteilten. Zuvor hatte Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Mittwoch im Landtag versucht, zu erklären, wie die Flucht aus der JVA passieren konnte.

Kutschaty berief sich auf ein Gutachten vom vergangenen Herbst. Das wurde damals in Auftrag gegeben, weil der zu einer lebenslangen Haft verurteilte M. nach 20 Jahren im Gefängnis für eine Verlegung in die Drogenabteilung der JVA Münster vorgesehen war. Die Aussage der Gutachterin war laut Kutschaty: „Selbst im Falle eines dauerhaften Rückfalls in den Drogenkonsum seien jedenfalls Gewaltdelikte gegen Personen nicht zu erwarten.“

Daher sei dem Gefangenen bereits im Dezember ein unbegleiteter Freigang in eine Hilfseinrichtung für Gefangene gewährt worden. Damals sei er zwar leicht verspätet zurückgekehrt, weitere Probleme habe es aber nicht gegeben. Daher sei ihm für den 18. bis 20. Februar ein weiterer unbewachter Aufenthalt in der Einrichtung genehmigt worden. Von dem ist M. nicht zurückgekehrt. Nun wird er verdächtigt, am vergangenen Samstag eine Frau in einem Hamburger Café überfallen, sie mit sechs Messerstichen verletzt und ausgeraubt zu haben.

Womöglich hat er am Montag eine weitere Tat in Hamburg begangen, bei der ein 33-Jähriger niedergestochen und ausgeraubt wurde. M. wurde 1993 wegen Mordes in Wuppertal verurteilt, weil er mit einem Komplizen eine Taxifahrerin ausgeraubt hatte. Als die Frau schrie, stachen die beiden sie nieder und warfen sie in die Wupper. Die Frau ertrank.