Eltern: Zu wenig Gesamtschulen

Eltern: Zu wenig Gesamtschulen

Schulen müssen fast überall im Land Bewerbungen abweisen.

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Auffassung der Landeselternschaft der integrierten Schulen viel zu wenig Gesamtschulen. Derzeit müssten Gesamtschulen fast überall im Land Anmeldungen abweisen, kritisiert der Elternverein in einem Brandbrief an die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). In der Praxis werde der Zugang der Schüler zu der von ihnen gewählten Schulform vielerorts verwehrt.

Die Ministerin habe den Brief erhalten und werde darauf antworten, sagte ein Sprecher des Schulministeriums. Inhaltlich wollte das Haus noch keine Stellung beziehen. Derzeit sei das Anmeldeverfahren für das Schuljahr 2018/19 noch nicht überall abgeschlossen.

Besonders dramatisch ist die Lage nach Angaben des Elternvereins und der Stadtschulpflegschaft der Kölner Gesamtschulen in der Domstadt. Dort müssten dieses Jahr nach Angaben des Vereins rund 1000 an Gesamtschulen abgewiesene Kinder nach einer anderen Schulform suchen. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre seien es bereits 700 gewesen.

Der Mangel sei aber nicht allein ein Kölner Problem, sondern betreffe unter anderem auch Münster, Essen, Geldern oder Leverkusen, betonte der Landesvorsitzende des Elternvereins und der Stadtschulpflegschaft Ralf Radke. Auch in Düsseldorf übersteigen die Neuanmeldungen mit 1011 für die sechs städtischen Gesamtschulen die bisherige Kapazität von 725 in der Jahrgangsstufe 5 am deutlichsten.

Deswegen solle die Schulministerin die Kommunen unterstützen. „Die Erwartung, dass sich mit der Rückkehr zu G9 an Gymnasien die Nachfrage nach Gesamtschulen deutlich reduziert, hat sich nicht erfüllt“, stellte er fest. „Tatsächlich überzeugt das Konzept der Gesamtschule viele Eltern.“

In einem Bericht zum Stand der Gesamtschulanmeldungen an den Schulausschuss hält Gebauer fest, die Schulentwicklungsplanung sei Aufgabe der kommunalen Träger. „Es ist also vorrangig seine Aufgabe, eine wohnortnahe Beschulung der Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, indem er sowohl das Schulangebot als auch die Schulgrößen bedürfnisgerecht ausgestaltet.“ Eine belastbare Zahl zu den Anmeldungen könne erst Anfang 2019 ermittelt werden. Der Ausschuss beschäftigt sich heute mit dem Thema.

Die Gesamtschule hält die Bildungsgänge bis zum Abitur länger offen, ohne dass die Kinder wechseln müssen. Laut amtlicher Schulstatistik besuchen derzeit rund 308 000 Schüler in Nordrhein-Westfalen 301 öffentliche und 33 private Gesamtschulen. Im NRW-Schulgesetz heißt es: „Die Eltern entscheiden nach Beratung durch die Grundschule über den weiteren Bildungsgang ihres Kindes in der Sekundarstufe I. (. . .). Am Ende der Erprobungsstufe entscheidet die Klassenkonferenz, ob der Schüler den Bildungsgang in der gewählten Schulform fortsetzen kann. lnw