Ein Kameramann im Rampenlicht - Michael Ballhaus

Michael Ballhaus erzählt von seinem Leben. Der 78-Jährige erblindet langsam, aber die Liebe zum Film bleibt.

Ein Kameramann im Rampenlicht - Michael Ballhaus
Foto: Jörg Carstensen

Berlin. „Dies sind die Erinnerungen eines Mannes, der mit den Augen gelebt und gearbeitet hat.“ So beginnt die Lebensgeschichte von Michael Ballhaus, dem großen deutschen Kameramann, der 25 Jahre lang in Hollywood mit den wichtigsten Regisseuren zusammenarbeitete. Allein sieben Filme entstanden mit seinem Lieblingspartner Martin Scorsese, dreimal war er für einen Oscar nominiert.

Als der 78-Jährige, im Jahr 2007 in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt, in einem Theater sein Buch vorstellt, kann er nicht mehr selbst daraus lesen. Der Grüne Star raubt ihm zunehmend sein Augenlicht. „Ich sehe nicht genug, um Bücher zu lesen“, schreibt er. Aber: „Die Farben sind sichtbar, die Lichter leuchten, und die Augen, in die ich schaue, manchmal auch.“

Und so erzählt der Mann, für den zeitlebens die Augen das wichtigste Werkzeug waren, auf dem „Blauen Sofa“ aufgeräumt und vergnüglich von seinen Erlebnissen in Hollywood. Die Augenkrankheit, die schon 1996 begann, ist an diesem Abend kein Thema.

„Der Beruf war mein Traumberuf, meine Passion“, sagt Ballhaus. „Dass ich dafür auch noch Geld kriege, fand ich manchmal erstaunlich.“ Diese Leidenschaft ist in jeder Zeile des Buches zu spüren. Zusammen mit Claudius Seidl, dem Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, berichtet Ballhaus in einem klaren, schnörkellosen Stil, mit Humor und lakonischem Witz.

1935 in Berlin geboren, wächst er in der Theaterkommune seiner Eltern im fränkischen Coburg auf. Die Liebe zum Film entdeckt er, als er Max Ophüls beim Dreh für „Lola Montez“ zuschauen darf. Ihn fasziniert die „bewegte, schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht“ — das, was später seine eigene Arbeit so besonders machen wird.

Nach einem Start beim Fernsehen in Baden-Baden lernt er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen, der für ihn in den 70er Jahren zur prägenden Figur wird. Mehr als ein Dutzend Filme machen die beiden zusammen, bis Ballhaus bei „Berlin Alexanderplatz“ aussteigt, weil er es mit dem „Koks-Monster“ nicht mehr aushält.

Die Höhen und Tiefen seiner Arbeit, die Begegnungen mit den Größen des Filmbusiness und die besondere Beziehung des Kameramanns zu den Stars vor seiner Linse — all das ist so respektvoll und behutsam geschildert, dass es niemanden verletzt. Und auch mit seinem eigenen Privatleben geht der Autor bewusst vorsichtig um.

Michael Ballhaus über seine Arbeit

So beginnt beispielsweise die Liebesgeschichte mit seiner Frau Helga, die ihm bis zu ihrem Tod 2006 fast 50 Jahre lang wichtigste Begleiterin war, mit dem einfachen Satz: „Ich durfte sie endlich küssen. Und so fing es an, dass ich keine andere mehr küssen wollte.“

Bei der Begegnung mit seiner zweiten Frau, der 25 Jahre jüngeren Regisseurin Sherry Hormann, geht es vor allem um die gemeinsame Arbeit an „3096 Tage“, der Leidensgeschichte der entführten Natascha Kampusch in Österreich.

Wie bescheiden der 78-Jährige geblieben ist, machte er bei der Lesung wohl unabsichtlich deutlich. Moderator Wolfgang Herles wollte wissen, wie es für ihn sei, nun selbst im Rampenlicht zu stehen. „Komisch“, räumte Ballhaus ein. „Ich habe nie richtig begriffen, wie es passiert ist. Vielleicht hat es mit den Filmen zu tun, die ich gemacht habe.“

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