Ein Euro pro Tag für Bus und Bahn

Ein Euro pro Tag für Bus und Bahn

Bonn führt ein Klimaticket ein: 365 Euro für ein ganzes Jahr. Ähnliche Ideen gibt es auch im Rheinland — in Düsseldorf soll es ein Diesel-Ticket geben.

Düsseldorf. Bus und Bahn fahren, so viel man möchte — für einen Euro am Tag. Zusammengefasst sieht so Bonns neuer Plan aus, beharrliche Autofahrer doch noch auf die Schiene zu locken und die Stadtluft somit reiner zu machen. In dieser Woche hat der Stadtrat das Klimaticket für 365 Euro im Jahr abgesegnet. Und wir haben uns gefragt: Eine Nahverkehr-Flatrate nach diesem Modell — wäre das nicht ein Vorbild?

Foto: J. Kinast

Bonn ist eine „Lead City“, eine von fünf deutschen Modellkommunen, die Maßnahmen zur Luftreinhaltung erarbeiten und dafür Fördermittel erhalten. Die ehemalige Bundeshauptstadt hat verschiedene Ideen auf den Weg gebracht — eine davon ist nun das Klimaticket, wie es Wien bereits im Repertoire hat. Der Bund fördert das neue Jahresticket mit 22 Millionen Euro. Allerdings begrenzt bis 2020.

Foto: A.Bischof

Ohne Fördermittel und klare Spielregeln kommt das scheinbare Superschnäppchen für die Fahrgäste nicht aus. Denn wenn alle jetzigen Abokunden auf das 365-Euro-Ticket umstiegen, würde dies die Verkehrsbetriebe schon 26 Millionen Euro kosten. Auch eine Ausweitung auf den gesamten Verkehrsverbund Rhein-Sieg rechnet sich bei der Fördersumme nicht. Die neue Fahrkarte gilt also nur für Neukunden und im Geltungsbereich 1b — im Stadtgebiet Bonn — in Bussen, Bahnen und DB-Zügen, so die Stadtverwaltung.

„Ein Euro am Tag — das finde ich einen Superpreis“, sagt Elisabeth Koch. Die Koblenzerin und ihr Mann Jürgen fahren bislang fast nie mit dem Bus, weil sie ungünstig an einer Zonengrenze wohnen und für die zwei Kilometer lange Fahrt in die Innenstadt 2,90 Euro pro Weg und Kopf zahlen müssten. Also nehmen sie das Rad — oder auch mal ein Taxi. Der eine Euro am Tag zieht also — aber bei dem Gedanken an eine Einmalzahlung von 365 Euro kommt das Paar ins Grübeln. „So oft sind wir auch nicht in der Innenstadt“, meint Jürgen Koch. „Dafür können wir viel Taxi fahren ...“

Auch die Düsseldorferin Muna Kuhn könnte das Klimaticket nicht aus ihrem Auto und in die Bahn ziehen. „Ich bin darauf angewiesen“, erklärt die 31-Jährige, die zum Arbeitsplatz in Langenfeld oft umsteigen müsste. Und in der Freizeit bräuchte sie den ÖPNV auch nicht. „Nicht in einer kleinen Stadt wie Düsseldorf.“ Da sei sie mit dem Fahrrad gut bedient. Ihre Freundin Lena Bezner hingegen wäre sofort dabei — in ihrer Heimatstadt Stuttgart. „Ich fahre alles mit der Bahn. Es ist zu hügelig“, sagt die 24-Jährige. Und nach Abschluss ihres Studiums müsse sie für ein Aboticket tief in die Tasche mit dem Einstiegsgehalt greifen: „Ich glaube, das sind fast 100 Euro im Monat.“ Wenn Anbindung und Takt dann stimmten, könnte ein Jahresticket à la Wien und Bonn Furore machen.

Aber auch neidisch, glaubt Petra Lang (45). Seit zehn Jahren hat sie ein Ticket 2000 für die Düsseldorfer Rheinbahn — und zahlt dafür deutlich mehr als einen Euro pro Tag. „Ich fände es eine Sauerei, wenn gerade ich als treue Kundin davon nichts hätte.“

Das findet auch Eckhard Lander, Sprecher bei der Düsseldorfer Rheinbahn: „Wir würden unsere eigenen Abo-Kunden kannibalisieren.“ Trotzdem macht man sich auch in seinem Hause Gedanken ums Klima und andere aktuelle Entwicklungen. So soll zum 1. September ein „Diesel-Ticket“ eingeführt werden: Wer seinen alten Stinker verschrottet und das auch nachweisen kann, der bekommt auf sein neues Abo bei der Rheinbahn 50 Prozent Rabatt. Das Programm ist erst einmal auf 500 Abos begrenzt, eine Verlängerung um 500 weitere aber möglich — die Mindereinnahmen übernimmt die Stadt Düsseldorf.

Genau das ist meistens die Krux: die Fianzierung. „Wir sind sowieso schon defizitär“, erklärt Dorothee Winkmann von den Stadtwerken Krefeld. Zudem könne man Autofahrer nur zum Umsteigen bewegen, wenn man auch deren Bequemlichkeit bediene — also parallel zu den geringeren Einnahmen mehr für eine Verbesserung des Angebots ausgebe. „So wird es wirtschaftlich immer uninteressanter. Auch Holger Stephan von den WSW in Wuppertal winkt ab: Die Mehrkosten „können von uns nicht getragen werden“. Man plane zwar kein neues Ticket, fördere den Klimaschutz aber durch andere Maßnahmen wie aktuell die Investition in Brennstoffzellenbusse.